Dienstag, 8. Oktober 2013

Nachdenklicher Abend

In Gedanken ein bisschen in der Vergangenheit, nicht wehmütig, aber nachdenklich. Diese Nacht vor 15 Jahren ist mein damaliger Partner tödlich verunglückt. Das erste Mal, dass ich einen Partner verlor und für mich letztes Jahr Grund für die irrige Annahme, dass das Universum nicht so gemein sein würde, mir meinen Mann ebenfalls zu nehmen. 

Zwischeneinwurf: Bitte nicht zuviel in "dass das Universum so gemein sein würde" hinein interpretieren. Das war für mich damals einfach nur eine Umschreibung dafür, dass ich nicht wahrhaben wollte, was ich eigentlich wusste, als sich sein Zustand plötzlich wieder rapide verschlechterte, dass er sich nicht mehr erholen werden würde.

Und dann bekam ich vorhin in einer Community einen Gruß von einem Mann geschickt, der fast ein Zwillingsbruder meines Mannes sein könnte. Als ich das Profil öffnete und das Foto sah, war ich erstmal erschrocken. Ich habe es auch anderen gezeigt und es bin nicht nur ich, die die Ähnlichkeit frappierend findet. Den Kontakt werde ich sehr sicher nicht vertiefen, das ist mir irgendwie zu creepy.

Nun sollte ich mal schlafen gehen, in knapp 8 Stunden klingelt der Wecker. Und ich hoffe, ich träume nicht von Schatz, was ich im Moment öfters tue. Warum ich nicht von ihm träumen mag? Weil's zur Zeit keine schönen Träume sind. Im letzten habe ich ihn auf einer Toilette gefunden, auf der er sich selbst erhängt hat.

Ich fahre auf dem Weg von und zur Arbeit mit der Straßenbahn auch immer am Krankenhaus vorbei, an dem Teil des relativ großen Komplexes in dem mein Mann lag. Lange Zeit hatte ich da keinerlei Problem mit. Seit Kurzem kommen jedes Mal Bilder von ihm im Krankenbett, mit den ganzen Apparaten um ihn herum und den Schläuchen in ihm hoch.

Auch sonst sind die Erinnerungen, die hochkommen, meist schmerzhaft und mir kommen die Tränen. Letzte Woche im Elektronikmarkt, als ich grad die DVDs durchstöberte, lief plötzlich Genesis, Follow You, Follow Me, das war sehr sehr hart. Dieses Lied war in den den Tagen vor seinem Tod meine Hymne, mein Gebet an ihn, mich nicht zu verlassen. Ich habe es x mal abends bzw. nachts im Bett gehört, die Worte mitgesungen und zu ihm geschickt.

Vielleicht ist diese intensive Trauerphase eine letzte, bevor es wieder besser wird. Dauerhaft. Etwas mehr als 16 Monate ist es nun her, dass er ging. Lang? Kurz? Was ist eine Zeitspanne, nach der man sagen kann, es ist genug, wann dauert "es" zu lang? Keine Ahnung. Ist letztendlich auch nicht wichtig. Es gibt immer die, die sagen, es ist nun lange genug her und "es muss mal gut sein". Die Frage ist, kann es jemals "lang genug" sein? Und das meine ich losgelöst von dem Gefühl der Trauer und des Verlustes. Ich weiß nicht, ob man versteht, was ich damit meine.

Und nun sollte ich wirklich ins Bett. Denn jetzt sind es nur noch siebeneinhalb Stunden. Falls jemand das hier noch vor morgen früh liest, schickt mir schöne Träume.

1 Kommentar:

  1. Ich wünsche dir sehr schöne Träume! Und ob es lange genug, zu lange oder noch nicht lange genug ist, entscheidest nur du. Eines Tages wirst du wissen, dass die große, schlimme Trauer vorbei ist. Auch wenn du ihn nie vergessen wirst. Aber irgendwann wird dein Herz wieder frei sein für einen Neuanfang. Aber wie schon gesagt, den Zeitpunkt entscheidest du.

    AntwortenLöschen

Redet mit aber benehmt euch - auch "zwischen den Zeilen!" ;) Wer das partout nicht kann, wird ggf. des Reiches verwiesen. Grundsätzlich sind hier alle Besucher willkommen - aber: Mein Reich, meine Regeln. Da kommt es auch schon mal (wenn auch sehr selten) vor, dass ich jemandem das Aufenthaltsrecht entziehe. Man kann das hier mit (m)einem virtuellen Wohnzimmer vergleichen, in dem ich das Hausrecht habe.

Dieser Blog ist keine kostenlose Werbefläche. Wer was verkaufen will, sucht sich bitte eine andere Plattform.

Kommentare unter älteren Blogeinträgen erscheinen erst nach Freischaltung von mir.