Donnerstag, 18. Juli 2013

Es ist getan

Das Tattoo ist gestochen. Es gibt also keinen Weg zurück. ;) Mein Chef, den ich heute früh um ein Gespräch deswegen bat, hat mir mit seiner Reaktion mal wieder gezeigt, in was für einer tollen Firma ich gelandet bin. Kaum hatte ich gesagt, dass ich mir gerne ein Tattoo am Unterarm stechen lassen würde, ich aber vorher abklären wolle, ob das für ihn ein Problem sein könnte, da ja es ja schon auch konservative Kunden gäbe, warf er die Arme in die Luft und meinte lachend: "Wenn das für Sie kein Problem ist, für mich ist es das ganz sicher nicht." Eventuelle konservative Kunden machten ihm gar keine Kopfschmerzen, er meinte, die gäbe es auch kaum. Also stand dem Tattoo nix mehr im Wege. :D

Das Tattoo werde ich euch natürlich auch mal zeigen, ein bisschen müsst ihr euch aber noch gedulden.

Vielleicht nochmal etwas zu meinen Beweggründen und den Zeitpunkt.
Mir geht es grade gut, ich fühle mich gut und ich sitze nicht von Schmerz erfüllt da. Schmerz war nicht der Auslöser, mir dieses Tattoo jetzt stechen zu lassen. Eher das Gegenteil ist der Fall, ich sehe das für mich nicht als ein Festhalten an meinem Schatz. Mag sich seltsam und paradox anhören ist aber wahr, es ist ein weiterer Schritt Richtung Loslassen. Wenn ich an den Tag unserer Hochzeit zurückdenke, der Tag, an dem wir unsere Ringe tauschten, in die "mo cridhe" eingraviert war, dann ist da kein Schmerz, es löst keine Tränen aus, es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. 

Das Tattoo ist für mich ein Symbol dafür, dass mein Schatz immer in meinem Herzen sein wird. Aber mein Herz ist groß, da wird auch irgendwann ein neuer Mann Platz drin haben. Ich weiß, dass das so sein wird, weil mein Ehemann nicht der erste Mann ist, den ich verloren habe. Vor knapp 15 Jahren hat mir schon einmal der Tod einen Partner genommen. Und dazu ist es ja nun auch fast 14 Monate her, dass mein Mann gestorben ist. Ich befinde mich nicht mehr in der Phase "es ist alles noch frisch". Das Leben geht weiter.  Und so soll es ja auch sein. 

Mein Mann liegt in keinem Grab, das ich besuchen könnte, er wurde verbrannt und anonym in einem Ruheforst gut 700km von mir weg beigesetzt. Und ich werde ziemlich sicher dort nie hinfahren. Ich hatte damals einen überregionalen Bestatter beauftragt, ganz einfach weil der günstig war und das Geld knapp und ich  hatte keinen Einfluss auf den Bestattungsort, wollte ich auch nicht. Meinem Mann war es egal, was mit seinem Körper nach seinem Tod geschieht. Ich habe keinen Bezug zu Gräbern, sie geben mir nichts. Ich bin eigentlich auch davon ausgegangen, dass ich gar nicht erfahren würde, wo seine Asche hinkam. Es kam aber mit der Rechnung ein Zettel, auf dem der Ort stand.

Auch darüber jetzt zu schreiben, mich zu erinnern, wie es damals war, mich kurz nach seinem Tod um den Bestatter kümmern zu müssen, löst keinen Schmerz aus.

Mein "Grab" ist sozusagen das Tattoo. So hab ich das an sich auch schon gesehen, bevor Gerlinde in den Kommentaren vom "Grabstein" schrieb. 

Wenn ich schreibe, dass ich aktuell nicht auf der Suche nach einem neuen Partner bin, dann hat das jetzt nichts mit Schmerz und Trauer zu tun. Nicht in erster Linie. Klar spielt sicher auch eine Rolle, dass ich "noch nicht wieder soweit bin". Aber ein ganz wichtiger Grund ist auch der, dass ich grade dabei bin, mir (m)ein neues Leben aufzubauen, dass ich mit dem neuem Job beschäftigt bin, damit, meine Wohnung endlich auf Vordermann zu bringen, Dinge zu regeln. Ich hab genug mit meinen eigenen Gefühlen und Alltag - und damit meine ich nicht die Trauer - zu tun. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass ich einem neuen Partner aktuell gar nicht gerecht werden könnte und es auch nicht will. Ich habe einfach noch nicht wieder das Bedürfnis danach.

So eine Phase hatte ich nachdem meine letzte Beziehung vor meinem Mann sehr schmerzhaft in die Brüche ging. Sie ging vorbei und als ich wieder offen war, trat mein Mann in mein Leben. Ähnlich wird es ziemlich sicher auch jetzt bzw. bald wieder laufen. Ich habe nicht vor, als Einsiedler zu leben.

Das könnt ihr jetzt glauben oder auch nicht, das überlasse ich euch.  ;)


Jetzt aber nochmal zu der Thematik, dass mein Tattoo einen neuen Partner verunsichern könnte. Ja, keine Frage, das kann sicher passieren. Nur ich bin immer noch der Meinung, dass das auch ohne Tattoo passieren würde bzw. kann. Ich komme nun mal mit dem Package "verwitwet", in dem eine wunderbare Beziehung zu einem wunderbaren Mann steckt, eine Liebe, die immer in meinem Herzen bleiben wird. Damit muss ein neuer Partner leben können, ohne gleich die ganze Beziehung in Frage zu stellen. Denn, dass die "alte" Liebe immer irgendwie in mir sein wird, bedeutet nicht, dass die "neue" Liebe, nicht genauso groß und ehrlich und vollwertig sein kann. Die Liebe zu dem Partner, den ich vor 15 Jahren verloren habe, die ist auch immer noch da. Mein Mann hatte da absolut kein Problem mit, wenn ich von ihm erzählt habe, dann war ihm das nicht unangenehm. Und es hat ihn nicht an meiner Liebe zu ihm zweifeln lassen. 

Maxine schreibt: "Also ehrlich gesagt, würde es mich schon ein wenig befremden, wenn ich einen neuen Partner kennenlerne, und das Gefühl hätte, er hängt noch sehr an einer anderen Person, auch wenn es diesen anderen Menschen nicht mehr gibt. Besonders in der Anfangsphase ist man doch sehr leicht zu verunsichern. Da erwartet man schon, dass der andere sich zu 100% auf einen einlässt, genau wie man das selbst tut.
Darum sollte man auch soviel Respekt vor einem potentiellen neuen Partner haben, und sich für ihn komplett frei machen. Und ihm auch das unbedingte Gefühl geben, dass man frei ist. Denn er kann ja nicht in einen reinsehen."

Es ist dann aber das Gefühl des anderen, ich kann nicht mehr tun, als durch mein Verhalten und meine Worte zu zeigen, dass ich frei bin. Kommt irgendwann eine neuer Mann und ich merke, dass ich es noch nicht bin, dann werde ich so ehrlich sein und das auch äußern und ggf. die Beziehung beenden, alles andere empfände ich als unfair. Und mein Tattoo bedeutet nicht, dass ich nicht irgendwann mal 100% frei sein werde.

Ich zitiere jetzt mal von Facebook, wo wir auch über das Thema sprachen, bzw. ich mache es anders, ich stelle einen Screenshot rein:


Maxine schreibt: "Aber in einer gewissen Zeit wird das anders sein, und neue Menschen treten an seine Stelle. Und dann kommt es nicht nur darauf an, wie frei Du wirklich bist, sondern auch, wie es das neue Gegenüber empfindet. Wie gesagt, keiner kann in Dich reinsehen."
 
Und genau das ist eben wieder der Punkt, der Mann, der sich durch dieses Tattoo, das letztendlich nur ein Symbol für meine Vergangenheit ist und die ist eben so wie sie ist,  so verunsichern lässt, dass er sich fragt, ob ich emotional frei genug bin, ihn zu lieben und dem ich durch meine Worte und mein Verhalten diese Zweifel nicht nehmen kann, der ist vielleicht einfach nicht der richtige. Jemand der mich liebt, sollte mir auch einfach ein Stück weit, ein recht großes Stück weit vertrauen.

Der richtige Partner für mich ist der, der akzeptieren kann, dass es da mal einen Menschen in meinem Leben gab, dem mein Herz gehörte und dem auch immer ein Stück meines Herzens gehören wird. So wie mein Mann akzeptieren konnte, dass seine Vorgänger trotz allem auch immer einen Platz in meinem Herzen hatten. So wie ich seine Liebe nicht in Frage stellte,  nur weil er noch  Kontakt zu meiner direkten Vorgängerin und zu anderen Exfreundinnen hatte. Es macht für mich da auch keinen Unterschied, ob es einfach nur eine gescheiterte Beziehung war oder ob es um einen verstorbenen Partner geht.

Ich weiß, es gibt viele Menschen, die da anders gestrickt sind, vermutlich die meisten. Aber es gibt auch Menschen, die wie ich gestrickt sind und ich hoffe, wieder so jemanden zu finden.




Kommentare:

  1. Ich empfinde deine Einstellung dazu (neuer Partnerschaft), auch aus eigener Erfahrung, als sehr gut.
    Ein neuer Partner kommt wenn die Zeit dafür reif ist und er wird Verständnis haben, wenn er der richtige Partner ist.

    Ich finde die Sache mit dem Tattoo gut. Ich habe selbst noch eins in der Schublade das gestochen wird, wenn ich die Zeit als reif empfinde :)

    Lg,

    Königstyrann

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    1. Das denke ich eben auch. Ich glaube, wenn man ständig nur darauf bedacht ist, ja nichts zu tun, was den anderen verletzen könnte, dann läuft man Gefahr sich selbst zu verlieren, man hat gar keine Zeit mehr, seine eigenen Gefühle zu spüren. Das kann nicht gut sein. Wenn es der richtige Partner ist, dann muss man nicht "das Gefühl geben, dass...", dann fühlen beide einfach. Genau das habe ich mit meinem Mann erlebt. Weiß nicht, ob rüberkommt, was ich damit sagen möchte...

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  2. Schulterklopf und durch, Maedel.
    Hatte hier auch noch eine heisse Diskussion bezueglich dieses 'unseres' Thema's und bekam leider auch keine volle Zustimmung fuer Dich - sorry.
    Als ich aber - auch hier - das Argument von 'Grabstein' brachte, wurde es eeetwas akzeptabler.
    Ansonsten: was die Bereitschaft fuer eine neue Partnerschaft; deren moeglichen Start sowie auch Erwartungen in sie betrifft: voll d'accord; vor allem mit dem 'Wachsen' !

    Wird schon; fest die Daumen dafuer gedrueckt!!! (= haengt vielleicht schon 'noch unerkannt' bereits in Deinem Leben herum ;-) )

    Gaaanz liebe Gruesse (= hat's seeehr weh getan? Dies fraegt bekannter 'Nadel-Scheisser' ;-) )

    G.





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    1. Du wirst es mir kaum glauben, aber es hat überhaupt nicht weh getan, es war nicht mal unangenehm. Ich fand sogar, dass es etwas Entspannendes hatte. Ich kann nun sehr gut verstehen, warum es bei den meisten nicht bei einem Tattoo bleibt. ;)

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    2. Heftigere/kraeftigere Streichel-Massage ???
      Ich moechte mich da vielleicht doch - trotzdem - nicht dafuer entscheiden, sorry (brrr = Gaensehaut)

      LG, G.
      Aber ich vertrau'/glaub' Dir. D.h.: muessen nicht alles gleich moegen um uns trotzdem wenigstens gegenseitig zu moegen und zu verstehen versuchen, oder?

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  3. Antworten
    1. So war es bei mir bisher immer, wir fanden uns, ohne auf der Suche gewesen zu sein.

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Redet mit aber benehmt euch - auch "zwischen den Zeilen!" ;) Wer das partout nicht kann, wird ggf. des Reiches verwiesen. Grundsätzlich sind hier alle Besucher willkommen - aber: Mein Reich, meine Regeln. Da kommt es auch schon mal (wenn auch sehr selten) vor, dass ich jemandem das Aufenthaltsrecht entziehe. Man kann das hier mit (m)einem virtuellen Wohnzimmer vergleichen, in dem ich das Hausrecht habe.

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