Mittwoch, 17. April 2013

Minijob=Sklavenjob

Ja, ich könnte den Mini-/Nebenjob im Callcenter haben. Aber die Bedingungen sind, um es mal nett auszudrücken, daneben und auch rechtlich nicht haltbar, was man sogar selber zugab.

Nur mal so: Auch als Minijobber hat man Anspruch auf bezahlten (!) Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Beides gibt es da nicht. Friss oder stirb. Dass das gegen das Gesetz ist, wird mal eben ignoriert. Und man wies mich wie gesagt sogar noch selbst darauf hin. WTF?

Mit Urlaub stellen sie sich das so vor: gearbeitet werden soll 12 bis 15 Stunden die Woche bei einem anfänglichen Stundenlohn von 7,15 Euro. Urlaub "erarbeitet" man sich mit einem Plusstundenkonto. Alles was man über die 450 Euro verdient, wird auf einem Stundenkonto gutgeschrieben und kann als "Freizeitausgleich" genommen werden. 

Kleines Rechenspielchen: Gehen wir mal davon aus, dass ein Monat im Schnitt 22 Arbeitstage hat und ich jeden Tag 3 Stunden arbeiten würde, was 15 Stunden in der Woche entsprechen würde, dann wären das 66 Stunden im Monat. 66 * 7,15 Euro = 471 Euro. Dann hätte ich also ein "Guthaben" von ca. 3 Stunden. Was einem Urlaubstag entspräche. Sprich, um mir eine Woche Urlaub zu erarbeiten, müsste ich fünf Monate durcharbeiten. Dazu kommt, dass nicht jeder Monat 22 Arbeitstage hat, die meisten haben weniger, teils sogar nur 19. Wen es mal interessiert, wieviel Arbeitstage es pro Monat dieses Jahr gibt - hier lang.

Und wie erwähnt, dürfte ich nicht mal krank machen, äh, werden, obwohl es auch hier gesetzlich vorgeschrieben ist, dass bis zu 42 Tage das Entgelt weiter gezahlt wird.  Es darf nix gekürzt werden und man braucht auch nicht nachzuarbeiten.

Wie verzweifelt oder naiv oder beides muss man eigentlich sein, um so etwas anzunehmen? Das neben meinem Teilzeitjob zu machen, kommt jedenfalls für mich definitiv nicht in Frage. 

Ich such dann mal weiter, bzw. hoffe auf positive Antwort eines anderen Minijobanbieters.


Kommentare:

  1. Das klingt irgendwie nach meinen ganz speziellen Freunden von Tect*m... aber eigentlich sind die wesentlich schlimmer und halten sich nicht mit solchen "Kleinigkeiten" auf.

    Wie verzweifelt muss man sein, um sich auf sowas einzulassen? Ist mir ein Rätsel...

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  2. Ich überlege gerade ob man so ein Unternehmern nicht Anzeigen kann/muss...
    Die Frage ist nur: „Wo?“

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    1. Man könnte sie evt. bei der Minijob-Zentrale melden, die sind sowas wie die Verwaltungs- und Kontrollbehörde. Oder vielleicht auch dem Finanzamt (für den Fall, dass nicht alle Minijobber angemeldet sind).

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  3. "Wie verzweifelt muss man sein, um sich auf sowas einzulassen? "
    oft zwingt das Jobcenter einen sich da zu bewerben und manche werden dann auch, trotz mieser Bewerbung, genommen. Aus lauter Angst vor dem Jobcenter fangen die dann da auch echt an zu arbeiten und gehen daran psychisch kaputt...

    Mein Jobcenter Agent wortwörtlich "Wenn ich ihnen einen Vermittlungsvorschlag fürs Callcenter schicke MÜSSEN SIE DORT AUCH AUFSCHLAGEN oder es gibt ne Sanktion!"
    Psychischer Druck, Angst, man wird regelrecht gezwungen.

    Naja, bis jetzt hatte ich Glück das ganze mit Hilfe meiner netten Hausärztin zu umgehen...

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    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    2. Das Problem, dass das Amt Jobsuchenden quasi droht ist mir bekannt. Es ist ja prinzipiell auch richtig, dass man einen Vermittlungsvorschlag nicht so ohne weiteres ablehnen darf. Aber das Amt kann einen nicht zwingen, Jobs anzunehmen, in denen eindeutig gesetzliche Vorgaben missachtet werden. Dass einem vielleicht auch einfach Kraft und Nerven fehlen oder man damit überfordert ist, den Rechtsweg zu gehen, kann ich natürlich auch verstehen. Damit wird halt kalkuliert. Ich kenne diese Thematik leider aus meinem engsten Familienkreis.

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  4. Tja, mir geht es gerade genauso. Habe einen Studentenjob angenommen, bei dem gerade aufgefallen ist, dass da auch nicht alles koscher läuft. Zahlen z. B. keinen Feiertag bzw. ist meinem Chef eingefallen, dass ich den doch nacharbeiten soll.... Hätte ich nicht nächste Woche ein Vorstellungsgespräch, würde ich ihn erst einmal nett darauf ansprechen, dass das illegal ist und ansonsten andere Seiten aufziehen, denn Gott sei Dank bin ich gut rechtsschutzversichert. Problem dabei ist, dass ich einen Job brauche, damit ich mein Studium finanziert bekomme, da kein Bafög.

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