Freitag, 19. Oktober 2012

Noch nicht

Ich habe eben nochmal alle Einträge von April und Mai in meinem nur für Eingeladene offenen Blog gelesen, in denen es um den Zusammenbruch meines Schatzes und um das Auf und Ab während des Monats, den er bis zu seinem Tod im Krankenhaus verbracht hat geht. Keine Ahnung, warum. 

Natürlich fließen nun die Tränen und natürlich kommt soviel wieder hoch. Mir ist wieder sehr deutlich bewusst geworden, wie sehr er mir fehlt, diese ganzen kleinen Gesten seiner Liebe, meine Hand nehmen und meine Handfläche oder Finger küssen, meine Wangen streicheln, einfach nur nach meiner Hand greifen, mich anschauen und lächeln, ihn "ich liebe dich" sagen zu hören, sein "komm her du", wenn er mich in den Arm nehmen wollte oder sein "komm näher, ich kann deinen Hörschlag nicht herzen", das eigentlich mal ein Versprecher war, er dann aber immer wieder mal sagte, sein für mich das sein.

Mir fehlt seine Liebe so unendlich. Er fehlt mir so unendlich. 

Und es gibt tatsächlich Leute, die sagen, nach 5 Monaten (noch nicht ganz) wäre es mal langsam gut. Es sind ERST 5 Monate. Und wenn es 15 oder 20 oder mehr Monate dauert, dann ist das eben so. Es ist nicht so, dass ich ständig über meinen Schatz reden will oder über meine Trauer, meistens mache ich das mit mir selbst aus. Es mag ja sein, dass es Menschen gibt, die nach, in meinen Augen, so kurzer Zeit, einfach wieder zum Alltag über gehen können und sogar fähig sind, sich neu zu verlieben. Ich kann das nicht und ich bin dazu nicht fähig. Wünsche ich mir, dazu fähig zu sein? Nein. Es ist, wie es ist. Irgendwann wird es soweit sein. Wann, weiß ich nicht. Ich werde es schon merken.

Meine Liebe will kein neues Zuhause. Noch nicht.

Kommentare:

  1. Ich habe bisher meinen Vater verloren, das ist bald zwei Jahre her. Er fehlt mir und wenn ich ein Werkzeug von ihm in den Händen halte oder ein von ihm beschriftetes Kästchen mit Nägeln, dann kommen mir oft spontan die Tränen. Mittlerweile sind die Tränen mit einem Lächeln vermischt. Es ist wunderbar Erinnerungen zu haben, warum sollte man sie verdrängen? Seine Liebe zu verlieren ist wahrscheinlich noch bedeutend tiefgreifender, nur das Herz des Trauernden darf da die Empfindungen ausloten! Du machst das soooooo richtig :o) Liebe Grüße Margit

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  2. Danke, Margit. Ein kleines, klitzekleines Lächeln ist auch bei meinen Erinnerungen dabei, noch kann sich das aber nicht durchsetzen. Es braucht halt alles seine Zeit, besser gesagt, ich brauche meine Zeit. Manchmal macht es mich wütend, wenn andere mir sagen, wie ich mit meiner Trauer umgehen soll(te). Auf der anderen Seite wollen diese Menschen wahrscheinlich einfach nur helfen. Dass es da leider nicht wirklich ein Falsch oder Richtig gibt, kann man wohl nur dann nachvollziehen, wenn man so etwas selber er-und durchleben musste.

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  3. Heuer werden es 10 Jahre, daß meine Omi gestorben ist. Und ich vermisse sie immer noch sehr. Und wie lange man um jemanden trauert, sollte doch wohl einem selbst überlassen bleiben.
    So wie Du das machst, ist das schon richtig.
    Drück Dich, Ruthy

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  4. @Ruthy Danke. Wenn ich in einem oder zwei Jahren noch nicht soweit "darüber hinweg" sein sollte, dass mir wieder ein normales Leben möglich ist, dann wäre es wohl an der Zeit, mich mit der Trauer in die Hände anderer zu begeben und mir Hilfe zu holen. Aber noch finde ich das alles eigentlich normal, sofern man so einen Zustand überhaupt normal nennen kann.

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  5. Ich finde es echt ätzend, wenn Leute von außen einem vorschreiben wollen wie lange Trauer zu dauern hat. Das ist absolut nicht in Ordnung!
    Und 5 Monate sind absolut keine zu lange und ausreichende Zeit zum Trauern. Kann gar nicht.

    Wie gesagt, mein Vater starb im Januar 1987, da war ich 3 1/2 Jahre. Alle Verwandten haben gemeint, ich hätte nichts davon mitbekommen und ich wurde zur Beerdigung nicht mitgenommen. Als ich Teenie war, sind wir dann doch mal zur Familentherapie und da meinte meine Mutter dann, dass ich nach dem Tod meines Vater über ein Jahr lang nur schwarze Prinzessinnen gemalt hätte !!! Wenn das kein Zeichen ist, weiß ich auch nicht... (Leider, leider habe ich keine "richtigen"/"echten" Erinnerungen an meinen Vater. Nur Schwarz-Weiß-Bilder.
    Dann bin ich ein totales Opa-Kind geworden (sozusagen als Kompensation?!) und war auch viel bei meinen Großeltern väterlicherseits. Herzensgute Menschen. Sind beide 86 Jahre geworden und innerhalb eines Jahres gestorben. Das war dann 1996/ 97. Auch schon wieder so lange her. Und manchmal tut es immer noch sehr, sehr weh.
    Das ist normal und gehört zum Leben nun mal dazu.
    Jeder, der einem das ausreden oder kleinreden will, hat wohl noch nie einen geliebten Menschen verloren (manchmal beneide ich solche Menschen) oder einfach kein Herz?!
    Ich knuddel dich und hoffe, du lässt dich nicht von solchen Leuten beeinflussen.

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