Samstag, 18. August 2012

Angekommen

Irgendwann gestern am frühen Nachmittag sind Lily und Aina in ihrem neuen Zuhause, das rund 200km von hier entfernt ist, angekommen. Gegen Abend habe ich eine Mail der neuen Besitzerin bekommen, in der sie schreibt, dass Lily schon die Wohnung durchwandert, wie sie es ausdrückt. Ich hoffe, es ist ein neugieriges Erkunden und kein Suchen nach mir oder bekannten Dingen.

Aina hingegen hat sich zurückgezogen und auf einem von zwei Shirts zusammengerollt, die ich in der Nacht zuvor noch getragen und gestern mitgegeben habe, damit sie in der fremden Umgebung einen vertrauten Geruch haben. Sie mag nicht angefasst werden. An angebotenen Leckerchen knabbert sie nur kurz (immerhin) und vergräbt dann ihre Nase wieder im Stoff. Ich hoffe aus tiefsten Herzen, dass sie und die neue Besitzerin schnell warm miteinander werden. Natürlich gilt das auch für Lily. Aber Aina ist noch ein großes Stück menschenbezogener als Lily. Was natürlich auch hoffen lässt, dass sie sich auf die neue Dosenöffnerin einlässt.

Es wird halt seine Zeit brauchen. So urplötzlich aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden und dann nicht mal den vertrauten Menschen bei sich zu haben, ist vermutlich (fast) schon traumatisierend. Die Vorstellung, dass Aina sich, indem sie sich auf das Shirt zurückzieht quasi an das Einzige klammert, was ihr noch vertraut ist, abgesehen von Lily, nämlich meinen Geruch tut mir weh. Wie gern würde ich sie auf den Arm nehmen und ihr sagen, dass sicher alles gut wird. Doch das geht nun mal nicht. Stattdessen schicke ich meine Gedanken rüber, damit sie Aina und Lily streicheln.

Conina und Pasha sind sehr ruhig, ich kann nicht sagen, ob sie Lily und Aina auf irgendeine Weise vermissen. Die beiden waren ja auch nie Spielkameraden für sie. Obwohl Pasha und Conina es immer wieder mal angeboten haben. Man hat sich akzeptiert, gekuschelt oder miteinander gespielt hat man nie. Wenn Aina gut drauf war, hat sie Pasha und Conina kurz den Kopf geleckt. Wenn Lily gut drauf war, ließ sie sich ohne zu schlagen beschnuppern. Das war's dann aber auch.

Pasha jammert und stöhnt zur Zeit öfters im Schlaf, vielleicht hat er Albträume, dass er auch in einen Korb gesteckt und weggetragen wird.

Vorhin habe ich die überzähligen Näpfe weggeräumt, einen Teil hatte ich mitgegeben, aber am Futterplatz standen noch die Näpfe für vier Katzen. Das war nochmal ein komisches Gefühl. Im Moment sucht mein Unterbewusstsein nicht nach Aina und Lily und trotzdem ist hier noch ein Echo, sind da noch Restenergien, die ich glaube zu spüren, die fast greifbar sind. 

Dass es wehtun würde, die beiden gehen zu lassen, das war mir klar, aber dass es so sehr wehtun würde, damit habe ich nicht gerechnet. Nein, ich bereue die Entscheidung nicht, will es nicht rückgängig machen, es war richtig so und das rede ich mir auch nicht nur ein. Und ich denke, der Schmerz, den ich jetzt spüre, die vielen vielen Tränen, die ich gestern und heute vergossen habe und jetzt grade vergieße, haben ihre Ursache sicher nicht nur im Abschied von den Katzen. 

Ich wünschte, Schatz wär da, um mich tröstend in die Arme zu nehmen, um mich zu halten, aber wenn er da wäre, wären auch Aina und Lily da und es gar nicht nötig.

Manchmal möchte ich mir einfach mein Herz rausreißen können, um nichts mehr spüren zu müssen.

Kommentare:

  1. Wenn es mir schon mit einer simplen Lederjacke so geht, wie muss es Dir dann mit geliebten Katzen gehen? Ich sende Dir liebste Grüße aus dem Neanderthal und viel Kraft für alles, was noch vor Dir liegt!

    Gabi

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    1. Danke, Gabi. Bis auf unsere Bücher, die für mich am meisten für meinen Schatz stehen, weil er ein leidenschaftlicher Leser war, gibt es nur sehr wenige Dinge, von denen ich mich nicht trennen könnte. Unser gemeinsames Hobby war das Besuchen von Mittelaltermärkten in Gewandung und ich habe das meiste seiner Ausrüstung bereits verkauft, das hat mir erstaunlicherweise gar nichts ausgemacht.

      Ich habe mich in deinem Blog auch umgeschaut und wünsche auch dir viel Kraft und Gesundheit.

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  2. Liebe Claudia,

    ich umarme dich aus der Ferne und hoffe, dass es bald wieder besser wird. Diese absolut schwere Entscheidung zwei deiner Katzen ein neues Zuhause zu suchen - ich hätte es nicht fertig gebracht. Aber du bist ein unglaublich starker Mensch und du hast meinen vollsten Respekt!!! Du wirst auch diese schwere Zeit überstehen. Und es war richtig und das weißt du.
    Sei umarmt.
    LG, Chisa

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