Montag, 18. Juni 2012

Grenzenlos

Ich glaube daran, dass man, wenn man stirbt nicht einfach aufhört zu existieren, genauso, wie ich glaube, dass man nicht erst bei seiner Zeugung oder während der Fötus im Mutterleib wächst, einfach so beginnt zu existieren. Ich glaube an die Reinkarnation. Das, was von vielen als Seele bezeichnet wird, hat immer existiert und wird immer existieren. Und ich glaube, dass die Seele viel mehr ist, als das, was wir hier in unseren Körpern von anderen und auch von uns selbst erfahren. Wir in unseren Körpern mit seinen Beschränkungen können das wahre Ich gar nicht in all seinen Facetten wahr-nehmen, wir können es vielleicht erahnen, in manchen Momenten sogar fast verstehen, aber niemals wirklich voll erfassen.

Und so bin ich mir sicher, dass mein Schatz nicht einfach fort ist, im Gegenteil, er ist jetzt wieder wirklich ganz er selbst. Frei. Keinen Einschränkungen mehr unterlegen. Grenzenlos. Und diese Vorstellung ist schön.

Und doch, es gibt mir zur Zeit wenig Trost, denn ich unterliege eben den Einschränkungen, die das Leben als Mensch so mit sich bringt. Ich kann ihn nun nicht mehr sehen, fühlen, riechen, schmecken. Für mich als Mensch ist der Mensch an meiner Seite fort. Und der Schmerz macht es mir momentan unmöglich, das, woran ich glaube, das, von dem ich mir eigentlich sicher bin, dass es so ist, annehmen zu können. Ich weiß, mein Schatz ist noch da, er existiert, außerhalb von Zeit und Raum, so wie ich diese wahrnehme. Und ich wünsche mir, wenigstens nur für einen kleinen Moment, die Grenzen meines Menschseins abwerfen zu können, und ihm da zu begegnen, wo er nun ist. Wieder auf einer Ebene mit ihm sein, wie wir es waren, als er noch lebte, doch ganz anders.

Kommentare:

  1. Kennst du das schon?
    http://d3uwin5q170wpc.cloudfront.net/photo/145996_460s_v1.jpg

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    1. Ja, das kenne ich schon. Interessante Idee. Wobei es mir ein wenig zu "direkt" wäre, also direkt von einer körperlichen Existenz in die nächste, fühlt sich für mich nicht richtig an. :)

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  2. Es gibt da ein sehr schönes Gedicht von Mary Frye, an das ich gerade denken musste und dass es ganz gut trifft:

    Do not stand at my grave and weep,
    I am not there, I do not sleep.
    I am a thousand winds that blow.
    I am the diamond glint on snow.
    I am the sunlight on ripened grain.
    I am the gentle autumn rain.
    When you wake in the morning hush,
    I am the swift, uplifting rush
    Of quiet birds in circling flight.
    I am the soft starlight at night.
    Do not stand at my grave and weep.
    I am not there, I do not sleep.
    Do not stand at my grave and cry.
    I am not there, I did not die!

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    1. Das ist schön. :) Da ist mir ein Gedicht wieder eingefallen, was wir vor drei Jahren beim Tod von Schatzens Mutter benutzt haben, um einen Aushang zu machen, den sein Vater an das Schwarze Brett des Hauses gemacht hat. Allerdings war das damals die kürzere, deutsche Version. Ich stell's gleich mal im Blog ein.

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Redet mit aber benehmt euch - auch "zwischen den Zeilen!" ;) Wer das partout nicht kann, wird ggf. des Reiches verwiesen. Grundsätzlich sind hier alle Besucher willkommen - aber: Mein Reich, meine Regeln. Da kommt es auch schon mal (wenn auch sehr selten) vor, dass ich jemandem das Aufenthaltsrecht entziehe. Man kann das hier mit (m)einem virtuellen Wohnzimmer vergleichen, in dem ich das Hausrecht habe.

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