Dienstag, 29. Mai 2012

Was man nicht braucht...

Wenn man mit der Situation konfrontiert wird, einen geliebten Menschen bestatten lassen zu müssen, der recht plötzlich und unerwartet verstorben ist, dann ist das etwas, was einen ein Stück weit kopf- und hilflos werden lässt, man denkt nicht mehr normal oder rational. Jedenfalls ging mir das so. Mein Schatz verstarb ja in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag und ich habe noch in der Nacht im Internet nach einem Bestatter gesucht. Ich kam nicht auf die Idee, dass es Seiten gibt, die Vergleiche machen und so suchte ich einen  Bestatter, der a) vor Ort war und b) dessen Internetauftritt, soweit ich das beurteilen konnte, den Eindruck einer seriösen Firma vermittelte. 

Den Bestatter meiner Wahl rief ich mit als Erstes am Donnerstagmorgen an und bekam einen Beratungstermin bei mir zuhause für Freitag 14 Uhr.  Die Bestatterin kam etwa 15 Minuten zu spät und begrüßte mich mit den Worten "ah, Sie sind die Tochter?". Als ich ihr sagte, dass ich die Ehefrau sei, war sie erschrocken, sie hatte den Fehler gemacht, vorher nicht gründlich genug in ihre Unterlagen zu schauen und wusste folglich nicht, dass mein Mann erst Anfang 40 war. Ihr war das auch sichtlich peinlich und sie hat sich entschuldigt, aber es war schon kein guter Beginn. 

Mein Schatz wollte, darüber hatten wir in der Vergangenheit schon gesprochen, verbrannt und anonym bestattet werden, bzw. hätte mich das so machen lassen, wie ich mich damit wohl gefühlt hätte. Da für mich ein Grab nichts ist, was mir Trost spenden würde, da das, was dort liegen würde für mich einfach nichts mehr mit ihm zu tun hat, entschied ich mich für die anonyme Feuerbestattung. Auch eine Trauerfeier wollte ich nicht, stattdessen möchte ich in zwei oder drei Wochen, Menschen, die ihm wichtig waren und denen er wichtig war zu mir einladen, damit wir zusammen sitzen können, etwas essen, etwas trinken und uns an ihn erinnern. 

Der Bestatterin sagte ich natürlich, wie ich das haben möchte und ich sagte ihr auch, dass die Bestattung, so hart das klingt, so günstig wie möglich sein solle, da ich nun sehr auf die Finanzen achten muss. Da mein Schatz ja selbstständig war und seit Dezember 2011 nicht mehr so viel gearbeitet hat und ich kaum etwas verdiene, wird es finanziell in der nächsten Zeit sehr eng. Die Wohnung, in der wir zusammen lebten, werde ich nicht mehr lange halten können, was ich aber auch gar nicht will.

Um es kurz zu machen, am Ende unterschrieb ich einen Bestattungsauftrag, der Kosten in Höhe von über 3000 Euro aufwies. Allein der Sarg schlug mit mehr als 1000 Euro zu Buche, da mein Schatz durch seine Krankheit im Krankenhaus soviel Flüssigkeit im Gewebe hatte, dass er sicherlich um die 130 Kilo gewogen haben wird, bei einer Größe von 1,82m. Dies bedeutete, dass ein normalgroßer Sarg nicht in Frage kommt, sondern nur einer in Übergröße und der günstigste Sarg, Eiche massiv, den das Bestattungsinstut mir anbieten konnte (oder wollte) war eben so teuer. Knapp 1900 Euro war der Anteil des Bestattungsinstitutes, der Rest der Kosten verteilten sich auf Krematorium, Urnengräberfeld und andere (Friedhofs)Gebühren.

Dieser Betrag machte mir großes Kopfzerbrechen und ich sprach Sonntag mit meinem Schwiegervater und dessen Freundin, die mich und meine Mutter zum Essen eingeladen hatten über die Situation. Die rieten mir, dass ich mich noch nach einem anderen Bestatter umsehen sollte. Ich rief dann noch am Sonntag den beauftragten Bestatter an und teilte der Dame, die da grad Bereitschaft hatte mit, dass ich gerne nochmal über die Kosten reden würde und erwähnte auch, dass ich mich beim Beratungssgespräch etwas unwohl gefühlt hätte und dass es da auch ein paar Unstimmigkeiten gäbe, so waren z.B. die Kosten für die Urne höher, als eigentlich besprochen. Man versprach mir, dass ich Pfingstmontag jemand bei mir melden würde und man sich bestimmt einigen könnte. 

Wieder zuhause begann ich nochmals zu recherchieren und stieß auf eine Seite, bei der man Preisvergleiche machen kann, bzw. man gibt dort Sterbe- und Bestattungsort, sowie gewünschte Bestattungsart an und bekommt dann sofort per Email Angebote verschiedener Bestatter. Eines der Angebote, das ich bekam klang sehr gut und alles war klar aufgeschlüsselt und so entschied ich mich diesen Bestatter zu kontaktieren. Da es schon recht spät am Abend war, schrieb ich ihm eine Mail, in der ich kurz die Umstände schilderte und um Rückruf bat. Dieser passierte dann auch schon Montagfrüh. Nach Durchsprechen der Einzelheiten war klar, dass dessen Angebot um mehr als die Hälfte günstiger ist. Trotz Sarg in Übergröße, für den ein Aufschlag von 160 Euro fällig würde. 

Ich sprach mit dem neuen Bestatter auch über die evt. anfallenden Kosten des ursprünglichen Bestattungsinstitutes. Er telefonierte mit denen und teilte mir dann mit, dass mein Mann noch gar nicht aus dem Krankenhaus abgeholt worden sei und sie ihm gesagt hätten, dass die Kosten für mich sehr gering sein würden. Und so entschied ich mich, ihm den Auftrag zu übergeben.

Wie sich heute früh herausstellte, als ich mich mit dem neuem Bestatter auf dem Standesamt traf, um die Sterbeurkunden und andere nötige Papiere zu bekommen, war der Körper meines Schatzes doch bereits Freitag abgeholt worden. Das hieß nun, dass wahrscheinlich auch die Überführungskosten in Rechnung gestellt werden würden. Wieder zuhause telefonierte ich mit dem Krankenhaus, die mir bestätigten, dass die Abholung bereits Freitag erfolgt sei. Allerdings ist diese nur zwischen 8 und 15 Uhr möglich, so dass die erfolgt sein muss, bevor ich überhaupt den Bestattungsauftrag unterschrieben hatte. 

Ich hatte bereits eine Email des ursprünglichen Bestattungsunternehmens, denen ich Sonntag noch geschrieben hatte, dass sie bis alles geklärt sei, keine weiteren Schritte unternehmen sollten und auch nochmal geschildert hatte, womit ich so meine Probleme hatte. Die Email wurde geschrieben, kurz nachdem der neue Bestatter Schatzens Körper abgeholt hatte. Die Chefin teilte mir darin mit, dass ich in den nächsten Tagen eine Rechnung erhalten würde über Beratungs-, Überführungs- und Kühlkosten. Alles in allem wären das knapp 450 Euro gewesen.

Das habe ich so nicht hingenommen und habe der Chefin u.a geschrieben, dass ich es sehr unwahrscheinlich finden würde, dass Schatzens Körper, so wie sie in der Mail behauptete, nach dem Beratungsgespräch abgeholt worden sei und ich schrieb ihr auch von anderen Ungereimtheiten. Ich schrieb, dass ich bereit sei, entstandene Kosten zu begleichen, aber ich hoffen würde, dass sie mir aufgrund der geschilderten Umstände entgegenkommen würde. Kurz darauf bekam ich eine Email, dass sie nun komplett darauf verzichten, mir eine Rechnung zu schicken, auch weil sich der von mir geschilderte Zeitablauf und der der Bestatterin, die hier war, wohl deutlich unterscheiden.

Da fiel mir ein Stein vom Herzen. Aber hätte das alles sein müssen? Ich bin momentan manchmal über mich selbst erstaunt, wie ich das grad alles regele und dass ich das überhaupt schaffe. Aber es muss ja getan werden. Mein Schatz fehlt mir unendlich und ich weine viel, fühle mich oft so leer und habe auch Angst vor der Zukunft. Aber grad wegen dieser Angst darf ich den Kopf nicht in den Sand stecken. Es gibt soviele Dinge, die noch geregelt werden müssen in den nächsten Wochen. Es klingt ein wenig absurd, aber Freitag war ich sogar bei einem Fotografen und habe ein Bewerbungsfoto machen lassen, hab meine Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand gebracht und eine Bewerbung versendet.




Kommentare:

  1. Du machst das echt ganz toll! Fühl dich gedrückt.

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  2. Nein, das ist nicht absurd meine Liebe, das ist vollkommen normal, richtig und vor allem wichtig. Du bist jetzt in einer Phase in der du alles ganz stark in die Hand nimmst. Und das ist auch gut so, weil, wie du siehst, manche "Menschen" versuchen Profit aus der Trauer anderer zu schlagen und darauf zählen, dass wir das in unserem Gefühlschaos gar nicht mitbekommen...
    ich drück dich ganz fest
    keks

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  3. Das Schwerste nimmt man oft zum Beginn in Angriff, damit man es hinter sich hat und das man in so einer Situation überfordert ist, sollte logisch sein, leider sind da viele Bestatter eher erfreut drüber und nutzen den Kunden aus, wenn nicht gar nehmen ihn aus, schrecklich so etwas und wie ich finde sogar ekelhaft, denn es geht um Menshen die sich oft nicht zu helfen wissen.

    Du hast es großartig hin bekommen und ich glaube das das nur wenige Menschen so gemeistert hätten, wow!

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Erfolg!

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  4. Du hast das ganz toll gemacht. Und ich finde auch, daß Du das mit der Bewerbung richtig gemacht hast. Ich denke, es lenkt Dich zum einen ein bißchen von Deinem großen Kummer ab, zum anderen ist es ja wichtig, wenn Du finanztechnisch bald ein wenig in der Klemme steckst.
    So manche Bestatter sind schon ganz besonders unverschämt...
    Alles Liebe, Ruthy

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  5. Von mir auch weiterhin viel Kraft...ich finde nicht die richtigen Worte - ich habe hier eher still mitgelesen und bin sehr berührt!

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  6. ich finde das auch toll und es ist doch gut so, denn das leben geht ja weiter, so häufen sich nicht erst die probleme an, wenn sie gleich erledigst. hut ab für deine kraft! :)

    dass es da solch grosse preisunterschiede gibt, ist erschreckend, aber gut zu wissen, dass es preisvergeiche im netz gibt.

    wünsche dir weiterhin viel kraft und mut für die nächste zeit *drück*

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Redet mit aber benehmt euch - auch "zwischen den Zeilen!" ;) Wer das partout nicht kann, wird ggf. des Reiches verwiesen. Grundsätzlich sind hier alle Besucher willkommen - aber: Mein Reich, meine Regeln. Da kommt es auch schon mal (wenn auch sehr selten) vor, dass ich jemandem das Aufenthaltsrecht entziehe. Man kann das hier mit (m)einem virtuellen Wohnzimmer vergleichen, in dem ich das Hausrecht habe.

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