Mittwoch, 14. März 2012

Kann Umckaloabo die Leber schädigen?

Heute früh war ich beim Arzt, da ich momentan ziemlich erkältet bin, bzw. ich wohl einen grippalen Infekt habe, der mir auf die Lunge geschlagen ist. Bin sehr kurzatmig, heiser und das Husten tut weh. Der Doc sah noch keine Veranlassung, mir ein Antibiotikum zu geben, meinte aber, man solle es im Auge behalten. Da heute nicht wirklich viel in der Praxis los war, nahm er sich auch ein bisschen Zeit, mit mir zu quatschen, dabei kam er auf das vielbeworbene Mittel Umckaloabo, das gegen Erkältungskrankheiten, Bronchitis, Husten etc. helfen und gleichzeitig das Immunsystem stärken soll. Er meinte, besonders Schatz solle das Mittel nicht nehmen, da inzwischen Fälle von Menschen mit einer Leberschädigung gemeldet worden seien, bei denen ein direkter Zusammenhang zwischen der Einnahme von Umckaloabo und der aufgetretenen Schädigung zu bestehen scheint. Seiner Meinung nach sei die Zahl zu hoch, als dass man die Fälle unter den Tisch fallen lassen könne. Huch. Klingt ja gar nicht gut.

Es sei dazu auch noch gesagt, dass mein Doc eher zu naturheilkundlichen Produkten greift, als zur Chemie, er ist also kein Arzt der den Chemiekonzernen zu Kreuze kriecht.

Okay, Zahlen konnte er mir keine nennen und so habe ich heute ein wenig recherchiert. In der Ärzte Zeitung fand ich folgende Artikel:


Von 145 sogenannten Verdachtsberichten unerwünschter Arzneimittelwirkungen Umckaloabo betreffend, waren in 19 Fällen "unerwünschte Effekte an der Leber" das Thema. Der Hersteller Spitzner untersuchte die Fälle gründlich und kam zu dem Schluss, dass man keinen eindeutigen Zusammenhang nachweisen könne, unter anderem aber auch deshalb, weil die Dokumentationen der gemeldeten Fälle oft lückenhaft seien. Sie schlossen die Möglichkeit aber auch nicht aus. Im Grunde also "was Genaues weiß man nicht".

In einem Artikel der knapp eine Monat später erschien, schrieb die Ärzte Zeitung, dass es "Kein[en] Grund [gibt], auf Umckaloabo® zu verzichten" Das sieht zumindest Professor Heinrich Matthys, Universitätsklinikum Freiburg so. Er kommt zu dem Schluss, dass sich keine Zusammenhänge zwischen Umckalaobo und Leberschädigungen nachweisen lassen.

Tja, ist es nun gefährlich oder nicht? Wohl doch nur in Einzelfällen für einzelne Menschen. Aber welches Medikament, welches Naturmittelchen hat keine Nebenwirkungen, die bei den meisten nie eintreten, bei ein paar wenigen aber dann doch? Ich hab manchmal das Gefühl, dass bei gewissen Schlagworten, die Menschen ihren Verstand, ihr eigenes Denken mal eben abschalten. Nicht falsch verstehen, ich bin ein Verfechter der Naturheilkunde, wenn möglich versuche ich zuerst etwas aus dem Bereich, bevor ich zur Chemie greife. Aber nur weil etwas "rein pflanzlich" ist, ist es nicht unbedingt generell gut verträglich oder ungefährlich. Da fällt mir auch das bekannte Zitat von Paracelsus ein: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“ Auch Nikotin ist pflanzlich, Alkohol entsteht, wenn man z.B. Früchte gären lässt.

Worauf will ich eigentlich mit diesem Blogeintrag hinaus? Letztendlich eigentlich nur darauf, dass man sich wenn möglich, immer seine eigene Meinung bilden sollte, damit man überhaupt in der Lage ist, ab- und einzuschätzen, was man tut und was man lässt und was für mögliche Konsequenzen das haben kann. Hätte ich die Aussage meines Arztes einfach so hingenommen, dann würde ich Umckaloabo vermutlich nun verdammen. Nachdem ich aber recherchiert habe, sehe ich das dann doch etwas gelassener. Und mein persönliches Fazit ist, dass ich Schatz davon abraten würde, zu diesem Mittel zu greifen. Ich selbst habe Umckaloabo noch nie ausprobiert und werde es vermutlich auch in naher Zukunft nicht tun, nicht, weil ich Angst hätte, meine Leber damit zu schädigen, sondern weil es einfach andere Mittel gibt, die ich bevorzuge.

Und ja, mir ist bewusst, dass die Überschrift recht reißerisch ist. ;)

Kommentare:

  1. Ich nahm das vor hmm zwei Jahren mal und habe bis dato eine ganz tolle Leber, laut Arzt.

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    1. Siehste mal. Man könnte also quasi rückschließen, die Einnahme von Umckaloabo ist gut für die Leber. ;)

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  2. Man sollte auf jeden Fall nie leichtfertig pflanzliche Präparate einnehmen. Auch Echinacea ist umstritten, vor allem bei Allergikern gefährlich.
    LG Sabine

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    1. Eben. Leider stelle ich immer wieder fest, dass einige Menschen zu glauben scheinen pflanzlich=gesund=100% ungefährlich. Da wird dann auch dem Baby oder dem Kleinkind oder auch dem Haustier "was Pflanzliches" aus der Apotheke eingetrichtert, weil "schaden kann das ja bestimmt nix". Beipackzettel lesen? Wozu?

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