Montag, 12. September 2011

Für Aufsehen sorgen

Für Aufsehen sorgen geht ganz einfach, nämlich so: Nachdem man mit einer Freundin und seinem Schatz ein paar schöne Stunden auf einem Mittelaltermarkt, Hayner Burgfest bei Dreieichenhain in der Nähe von Darmstadt, verbracht hat, beschließt man auf dem Nachhauseweg spontan einen Abstecher nach Darmstadt Eberstadt ins Antik Lokales zu machen. Das ist eine Gaststätte mit einer etwas schrägen Speisekarte, auf der man so Sachen wie die Pizza mit Banane drauf findet. Pizzen gibt es in geradezu unendlichen Variationen. Das Lokales hat eine sehr urige Atmosphäre und einen echt schönen Biergarten. Bis vor einer Weile gab's dort sogar Kölsch, aber das wurde leider aus dem Sortiment genommen, wie wir Samstag festgestellt haben. :(

Eine Pizzeria zu besuchen ist an sich nichts besonderes und im Normalfall erregt man dadurch auch kein Aufsehen. So ist das normalerweise auch bei uns. Wenn jedoch zwei von unserem Dreiergrüppchen in voller mittelalterlicher Montur dort aufschlagen, dann erntet man schon so manch merkwürdigen Blick. Unsere Freundin besucht Märkte immer als Hexe, ganz in Schwarz mit langem Schlangen- oder Rabenstab, spitzem Hut und Mantel. In diesem Outfit lenkt sie schon auf Mittelaltermärkten, wo Gewandung ja an sich normal ist, viele Blicke auf sich und immer wieder erklingt ein Stimmchen "Mamaaa - eine Hexeeeee!" mal mutig und neugierig, mal verängstigt und versteckt hinter Mamas oder Papas Rockzipfel.

Ich selbst war Samstag schlicht gewandet als normale Stadtbürgerin unterwegs, mit einfachen Wollgewand und Kopftuch und hab auf dem Markt eher weniger Blicke auf mich gezogen. In Eberstadt, einem sehr, hmm, dörflichen Stadteil von Darmstadt auf dem Weg vom Auto zum Lokales war das aber anders. Lustigerweise hat uns eine ältere Dame, die uns entgegen kam freundlich angelächelt, während ein junges Mädel, das in Richtung Goth gekleidet war uns schon fast böse Blicke zugeworfen hat. Vielleicht hat sie uns als Konkurrenz gesehen, was die Aufmerksamkeit anderer Leute angeht. :D

Im Lokales selber ernteten wir eher erstaunte und neugierige Blicke. Unsere Bedienung fragte uns sogar im Namen ihrer Kollegen und ein paar Gästen, woher wir denn kämen und was wir darstellen würden. 

Ich für mich habe an diesem Samstagabend festgestellt, dass ich mich, was mein Selbstbewusstsein angeht, doch sehr verändert habe. Denn noch vor ein paar Jahren wäre eine solche Aktion für mich völlig undenkbar gewesen. Da war es mir lieber, nicht aufzufallen. Ich wollte nie so sein, wie "die anderen", bzw. hab mich irgendwie sowieso immer "anders" gefühlt, aber ich wollte lieber im stillen Kämmerlein und im allerengsten Kreis individuell sein, gleichzeitig habe ich mir den Mut, sichtbar anders zu sein, aber immer gewünscht. Heute habe ich ihn und es kratzt mich nicht mehr, was andere über mich denken könnten. 

Es gibt da einen schönen Spruch: "Ich bin ich. Die einen kennen mich, die anderen können mich." Das soll übrigens Konrad Adenauer gesagt haben. Ich stimme ihm zu und ergänze, es steht jedem frei, mich kennen zu lernen. Und natürlich steht es auch jedem frei, es nicht zu tun. Das Gleiche gilt für's Mögen. ;)

Kommentare:

  1. jetzt hätte ich gern ein Foto gesehen :)

    AntwortenLöschen
  2. @schuschan Vom Samstag gibt's leider keine Fotos. Von unserer Freundin gibt es Fotos auf einem anderen Markt, aber da müsste ich sie erstmal fragen, ob ich die veröffentlichen darf. Mich gibt's in anderen Marktoutfits hier im Blog unter dem Label "Mittelalter" ja schon zu sehen, leider nur eben wie gesagt nicht in dem vom letzten Samstag.

    AntwortenLöschen
  3. Da stimme ich schuschan zu: Ein Foto wäre toll gewesen.
    Finde es toll, dass ihr dort so aufgeschlagen seid.
    Das nenne ich Aufsehen erregen auf die feine Art.
    Liebe Abendgrüße schickt dir
    Irmi

    AntwortenLöschen

Redet mit aber benehmt euch - auch "zwischen den Zeilen!" ;) Wer das partout nicht kann, wird ggf. des Reiches verwiesen. Grundsätzlich sind hier alle Besucher willkommen - aber: Mein Reich, meine Regeln. Da kommt es auch schon mal (wenn auch sehr selten) vor, dass ich jemandem das Aufenthaltsrecht entziehe. Man kann das hier mit (m)einem virtuellen Wohnzimmer vergleichen, in dem ich das Hausrecht habe.

Dieser Blog ist keine kostenlose Werbefläche. Wer was verkaufen will, sucht sich bitte eine andere Plattform.

Kommentare unter älteren Blogeinträgen erscheinen erst nach Freischaltung von mir.