Freitag, 17. Juni 2011

Alltag

Für manchen scheint dieses Wort etwas geradezu Schreckliches zu sein, besonders wenn es um Beziehungen geht. Da hört und liest man, der Alltag sei eingekehrt und er sei grau. Man will wieder frischen Wind in den langweiligen Alltag bringen und sucht dafür den Kick, der einen aus dem Alltag reißt, weil man befürchtet, dass der Alltag die Beziehung einschlafen und kaputtgehen lässt.

Ist es aber wirklich der Alltag, der eine Liebe sterben lässt? Oder kommt einem der Alltag nicht eher trist vor, weil die Liebe nicht mehr so ist, wie sie mal war oder schon gar nicht mehr existent ist?

Ich genieße den Alltag, den ich mit meinem Schatz leben kann. Mit meinem Ex hatte ich recht wenig Alltag. Es passierte immer irgendetwas. Und damit meine ich nicht, dass man immer unterwegs oder ständig "Action" im positiven Sinne war. Es gab gewisse Problematiken, die eine normale Beziehung einfach nicht möglich machten. Die Beziehung zu einem Süchtigen, selbst wenn dieser das, wonach er süchtig ist, nicht mehr anrührt, ist selten entspannt oder eben alltäglich, denn los kommt er nie vollständig. Sicherheit, Geborgenheit, sich fallen lassen können, vertrauen, all das ist nicht oder nur sehr schwer möglich. Und genau das alles ist es, was ich in meiner Beziehung zu meinem Mann habe.

Für mich bedeutet Alltag, dass ich mich verlassen kann, dass ich weiß, was mich erwartet. Das bedeutet nicht, dass es in meinem, bzw. unserem Leben keine Überraschungen gibt. Aber es bedeutet, dass ich die alltäglichen Dinge liebe. Ich finde es schön, wenn er abends nach Hause kommt, sich zu mir auf die Couch setzt und erzählt, was ihm während der Arbeit so passiert ist. Ich finde es schön, am Wochenende zusammen einkaufen zu gehen und gemeinsam entscheiden, was im Einkaufswagen landet, dass er, wenn ich die Katzen abends füttere, oft in der Tür steht und uns zuschaut. Der Kuss, bevor wir ins Bett gehen, das in den Arm nehmen, das gute Nacht wünschen, all das ist Alltag und trotzdem niemals Routine. Die vielen kleinen Dinge, die sich ständig wiederholen... Vertrauter Alltag. Vertrauen. Lieben.

Kommentare:

  1. Ich verstehe absolut, was du meinst, denn genau das fehlt mir. Nach diesem Alltag sehne ich mich oft. Nach 5 Jahren Beziehung, in denen er stets wochentags auf Montage war, habe ich mich zwar einigermaßen daran gewöhnt, dass wir uns nunmal meistens nur am Wochenende haben...und trotzdem: manchmal sehne ich mich nach genau dem Alltag, den du beschreibst.
    Hast du schön formuliert und ich finde es toll, dass du das zu genießen weißt.

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  2. @Anna - Ich kann nachfühlen, wie es dir ergangen ist. Mit meinem Schatz hatte ich die ersten zwei Jahre auch eine Wochenendbeziehung. Er Mannheim, ich Köln. Wir haben uns alle 2 Wochen für ein Wocheende gesehen, bin dann zu ihm gefahren. Auch da haben wir schon versucht Alltag zu leben und nicht jedes Wochende versucht, diesen draußen zu lassen.

    Ein Stück weit geht das, aber es ist doch anders. Und ich hatte Phasen in denen mich die Fernbeziehung und das, was sie eben mit sich bringt, ziemlich angekotzt hat. Zeitweise hat mich dieses Sehen und Trennen depressiv gemacht hat. Das ist auch ein Grund warum ich den Alltag den wir seit etwa 4 Jahren haben, so genieße.

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  3. Ich mag den Alltag auch. Der wird nur dann wirklich schlecht für die Beziehung, wenn man feststellt, dass man sich nichts (oder wenn, dann nichts Nettes) zu sagen hat.
    Mit meinem Liebsten find ich Alltag großartig. Mit allem, was dazu gehört. Dass dabei nicht immer alles eitel Sonnenschein sein kann, ist absolut natürlich.
    Aber das sehen leider viele nicht.

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  4. Ein stückweit sind aber auch unsere Wochenenden Alltag, auf den ich mich immer freue. Dadurch, dass wir die Kinder haben, laufen die Wochenenden häufig nach demselben Muster ab, und tatsächlich freue ich mich auch darauf...also doch ein bisschen Alltag. Genauso freue ich mich dann aber auch auf Ausbrüche aus dem Muster, wenn mal irgendetwas besonderes ansteht, wie Urlaub, oder ein kinderfreies Wochenende oder so. Hat alles so seins. Aber immerhin, seit er selbstständig ist, haben wir mehr voneinander, obwohl wir dachten, es wird weniger Zeit. Aber jetzt kann er sich seine Zeit mitunter selbst einteilen und eben auch mal sagen, er fährt eher nach Hause...solange es der Termindruck zulässt.

    Ach, *laberlaber*...ich schreib zuviel. Vielleicht sollte ich mal selbst einen Eintrag dazu verfassen, ist ein Thema für sich ;-)
    Auf jeden Fall seid ihr zwei echt ein tolles Paar ;-)

    PS: mal vorsichtig indiskret gefragt: wollt ihr eigentlich Kinder? Musst auch nicht antworten ;-)

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  5. @Lyanca Ja, so ist es. Ich denke auch, dass Alltag in der Beziehung dann negativ wird, wenn sowieso schon aus irgend einem Grund der Wurm drin ist.

    Zum Thema Eitel Sonnenschein: Das ist tatsächlich auch sowas, in einer glücklichen Beziehung fetzt man sich durchaus auch mal oder geht sich auf den Keks. Nur macht man eben kein ewiges Drama draus.

    @Anna So solls sein, sowohl in Sachen Wochenendalltag als auch das Ausbrechen. :)

    Thema Kinder: Nein, wir wollen keine Kinder. Hab einfach keine Sehnsucht nach einem Kind und wenn ich ein Baby sehe, dann finde ich das zwar meistens süß, aber ich stell mir nicht vor, wie es wäre, wenn das meines wäre. ^^ Ähnlich geht es Schatz. Wir mögen beide Kinder und uns haben schon ein paar Leute gesagt, dass wir bestimmt tolle Eltern wären. Aber wenn nicht noch ein "Unfall" passiert und da wir Einzelkinder sind, müssen unsere Eltern zu ihrem Leidwesen wohl damit leben, keine Großeltern zu werden. :D

    Und hier darfst du soviel "labern" wie du willst. ;)

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