Montag, 16. Mai 2011

Das Koelschgirl und der Glaube

Konfirmation: Das ist ein Thema was momentan durch den ein oder anderen Blog geistert. Interessanterweise habe ich bisher noch nichts von Kommunion gelesen, wie mir grad auffällt. Egal. Konfirmation. Auch mich betraf dieses Thema vor vielen vielen Jahren. 

Meine Eltern haben mich damals nicht taufen lassen, da sie der Meinung waren, dass ich später selbst entscheiden sollte, was und ob ich überhaupt etwas glauben wollte. Das war damals für meinen Großvater väterlicherseits schon fast sowas wie ein Drama, da er ein sehr gläubiger evangelischer Christ war. Ich muss aber dazu sagen, dass er einer der wenigen wirklich toleranten, nicht bigotten und nicht missionarischen tiefgläubigen Menschen war, die mir bisher in meinem Leben begegnet sind. Als ich zum Beispiel mit ca. 13 anfing, mich für Esoterik zu interessieren, bekam ich von ihm die gewünschten Bücher zum Thema geschenkt und er suchte die Diskussion, nicht, um mich davon abzubringen, sondern um mich zu verstehen. Trotzdem war es ihm wohl ein Gräuel, dass seine erste Enkelin, die übrigens am gleichen Datum wie er zur Welt gekommen ist, ungetauft durch's Leben gehen sollte. Er bot meinen Eltern ein Sparbuch auf meinen Namen mit einer nicht unbeträchtlichen Summe, wenn sie mich doch taufen lassen würden. Sie lehnten ab.

Ich bin seit der Grundschule den "evangelischen Weg" gegangen. Ich besuchte eine katholische Grundschule, auf der es jeden Freitagmorgen einen kirchlichen Gottesdienst, jeweils evangelisch und katholisch gab und obwohl man meinen Eltern eigentlich gesagt hatte, dass die Teilnahme am Gottesdienst freiwillig sei, stellte sich schnell heraus, dass das nur sehr theoretisch freiwillig war. Also ging ich hin. Wir hatten zum Glück einen Pastor, der sehr gut mit Kindern umgehen konnte und der Gottesdienst hat immer Spaß gemacht. Als er einmal krank war, mussten wir am katholischen Gottesdienst teilnehmen und das war furchtbar; beten, singen, auf die Knie, wieder singen, beten etc. - kein Unterschied zu einem Erwachsenengottesdienst und alles sehr streng.

Ich schloss mich während der Grundschulzeit auch einer Kinder- und Jugendgruppe, die unser Pastor leitete, an und hatte sehr viel Spaß dort. Er zog aber irgendwann, ich glaube, da war ich schon auf dem Gymnasium, weg und sein Nachfolger war eher von der "alten Schule". 

Auch auf dem Gymnasium nahm ich am evangelischen Religionsunterricht teil und das bis zum Abi. Es war nicht so, dass ich mich als evangelisch sah, aber ich fand Religion und auch Religionswissenschaft interessant. Aber zurück zum Thema Konfirmation. Irgendwann kam ich in das Alter, in dem man konfirmiert wird. Viele meiner Klassenkameraden wurden es. Und eines Abends rief der Pastor (das war schon der Nachfolger) bei uns an und wollte mit meiner Mutter über das Thema reden. Diese reichte den Hörer mit den Worten, dass das meine Sache sei, schließlich ging's dabei ja um mich, an mich weiter. Und so fragte er mich, ob ich mich denn nicht gern konfirmieren lassen wolle. Ich ließ ihn wissen, dass ich das nicht vorhätte. Dann kam der Knaller: Statt es mit "religiösen Argumenten" zu versuchen, meinte er, ich solle doch nochmal darüber nachdenken. Das wäre doch auch immer eine ganz tolle Feier und wenn ich das nicht machen würde, dann würde ich doch auch nicht die ganzen tollen Geschenke und das Geld bekommen, das ein Komfirmand immer bekäme. Ich kann mich nicht so wirklich an meine Antwort erinnern, aber laut meiner Eltern muss ich den Pastor wohl gefragt haben, ob das jetzt sein Ernst sei und ich habe ihn  anscheinend wissen lassen, dass ich es sehr fragwürdig fand, dass er als ein Mann Gottes mit solchen Argumenten lockte und es bei der Konfirmation doch eigentlich nicht um Geld und Geschenke gehen sollte, sondern um ein ehrliches Bekenntnis zu Gott und zum Glauben. Er hat darauf wohl nicht viel gesagt und das Gespräch war beendet.

Getauft wurde ich übrigens bis heute nicht und ich habe es auch immer noch nicht vor, ich sehe mich nicht als Christ. Meine Gottesvorstellung ist eine andere. Und ich bin mir fast sicher, dass Jesus soetwas wie den Papst und das, wofür er steht, gelinde gesagt, furchtbar fände. Aber das möchte ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Lustigerweise bin ich auf meiner Steuerkarte evangelisch. Da zum Zeitpunkt meiner Geburt beide Eltern in der Kirche und evangelisch waren, wurde automatisch davon ausgegangen, dass auch das Kind evangelisch sein würde. Ich müsste offiziell aus der Kirche austreten, obwohl ich niemals offiziell eingetreten bin. Ich sollte das mal tun, aber ich hasse Ämtergänge. Außerdem kostet ein Kirchenaustritt inzwischen heftig Kohle, was ich mehr als unverschämt finde. Die Stadt Mannheim will dafür 50 Euro haben. Fünfzig! So kann man natürlich auch dafür sorgen, dass die offizielle Zahl der "Gläubigen" nicht so schnell schrumpft.

Kommentare:

  1. Ich habe meinen Sohn taufen lassen, aber ob er konfimiert wird - das durfte er selbst entscheiden. Er hatte den Unterricht angefangen - und hat ihn dann abgebrochen. Ich finde, man sollte niemanden dazu zwingen!

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  2. Meine Kinder sind nicht getauft. Ich hatte mit Gott und dem Glauben lange Jahre gar nix am Hut. Bin mit ca. 20 Jahren aus der (evang.) Kirche ausgetreten. Meine Schwiegereltern waren nicht begeistert, weil man eben zu einer Kirche gehören muss *seufz* Meine sehr gläubige Mutter war auch nicht begeistert und versuchte krampfhaft, mich zu bekehren. Das funzt nicht!

    Erst vor ca. 14 Jahren kam ich ganz langsam wieder zum Glauben. Eine sehr persönliche Geschichte. Der Schritt zum Glauben - auf Jesus zu - ist ein ganz privater und intimer. Das kann nichts und niemand erzwingen. Im August 2008 hab ich mich taufen lassen. Das war toll und etwas ganz besonderes. Seitdem bin ich Mitglied einer freikirchlich evangelischen Kirche. Landeskirche käme für mich nicht mehr in Frage.

    Ich kann nur sagen - Scheiß auf's Bodenpersonal! Es geht nicht um Brauchtümer und religiöse Gepflogenheiten. Der Glaube spielt sich zwischen dir und Gott ab. Punkt. Und der wartet ganz geduldig. Weiß ich aus eigener Erfahrung :)

    Liebe Grüße vom Schäfchen

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  3. @ ♦♦♦NiCOLe♦♦♦ Nein, sollte man nicht. Ich find's nur irgendwie schade, dass eine Konfirmation (oder auch eine Kommunion) oft ausgerichtet wird, weil man das eben so macht. Das gehört sich so. Die Leute erwarten das. Wie oft bin ich mit großen Augen angeschaut worden, weil ich nicht getauft bin. Auch das ist oftmals einfach etwas "was man eben macht."

    Bei meinen Klassenkameraden habe ich es mitbekommen, dass es dem Großteil tatsächlich mehr um die Geschenke, als um den Glauben ging. Ich kann's ja auch nachvollziehen, so ist das nicht. Es ist schon verlockend. Und es ist an sich ja auch eine gute Gelegenheit Geld für den Führerschein oder ähnliches zu sammeln. Doch bei wievielen ist das Thema Glaube im Grunde sofort nach der Konfirmationsfeier erledigt? Kann irgendwie auch nicht Sinn der Sache sein, finde ich.

    Aber egal, Glaube sollte niemals Zwang sein, er sollte immer aus dem Herzen kommen. :)

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  4. @Schäfchen Du schreibst mir aus der Seele.

    Ich hab mal irgendwo das Wort Glaubenskonventionen gelesen, da sträubten sich meine Nackenhaare. Wie ich eben Nicole schon schrieb, Glaube sollte aus dem Herzen kommen. Und wie du schon schreibst, es ist eine sehr intime Sache, bei der letztendlich die Gesellschaft und ihre Konventionen raushalten sollte. ^^

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  5. ... so -- als halbwegs bekennender Christ gebe ich auch mal meinen subjektiven Senf dazu:

    Ich persönlich glaube "Kirche" und "Religion" kranken oft daran, dass ganz viele Leute einfach nicht spirituell veranlagt sind. Sie sind eben keine Leute, die hinter die Dinge blicken wollen. Und wenn die dann Religion machen, dann entstehen abstruse Regelwerke die das, was der Religionsstifter eigentlich im Sinn hatte nur ziemlich schräg nachbildet. Dann gibt's viele Leute die diese Regeln leben und sich dadurch religiös finden. IMHO ein gutes Beispiel für das was ich meine ist: Man geht Sonntags in die Kirche, betont öffentlich, dass man ja Christ ist und gewisse Moralvorstellungen anderen Leuten voraus hat. Und dann geht man hin und drückt seine riesige Freude aus, dass ein Mörder umgebracht wurde.

    Naja solange nix hinterfragt wird lebt sich eben ganz gut hinter Mauern aus Regeln. Die Regeln grenzen dann Religion von Religion ab und innerhalb von Religion Strömung von Strömung.

    Ich dagegen bin überzeugt, dass spirituelle Menschen ein feines Sensorium für die Sachen hinter den Dingen haben. Also vielleicht für das Göttliche, wenn man es so ausdrücken mag. Bigotterie erkennen sie sofort. Oder auch wenn Regeln einfach nicht auf den Sinn matchen. Gibt es irgendwo eine Aussage die Jesus gemacht hat, dass man keinen Sex vor der Ehe haben soll? Nö. Wäre auch unglaubwürdig: Ehe -- so wie die Kirche es will gab es das damals eh nicht, usw, usw...

    Also, das einzige was funktionieren würde wäre also Vorleben und nicht Regeln überstülpen. Jeder lebt das, was er in seiner eigenen Spiritualität versteht. Und die anderen meckern bitte nicht darüber und beziehen ihren Glauben nur auf sich selbst. So versuche ich das jedenfalls für mich zu halten. Bin also eher Mönch im ursprünglichen Wortsinn von monachos -- allein. Einer der in die Wüste geht und seine Spritualität lebt ;D Und sie nicht nur dann bestätigt findet, wenn er sie x anderen Leuten vermittelt hat.

    Was manchmal fehlt ist eine -- so nenne ich das mal -- ecclesia in ecclesia. Eine Gemeinschaft von spirituellen Leuten für die sich Kirche eben zwischen ähnlich (und nicht gleich) denkenden Menschen entspannt und nicht durch Organisation, Verein, Vereinsregeln und Vereinsmeierei verordnet werden kann.

    PS: Claudia wenn das komisches Gefühlsblabla ist, dann lösch es. Mir war nur gerade so...

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  6. @Bettelstab Gefühlsblabla ist anders. Und dein Kommentar bleibt stehen! :)

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  7. hab das aber so zwischen Tür und Angel geschrieben und vielleicht nur halb getroffen was ich sagen wollte... Ganz zu schweigen von den Rechtschreibfehlern ;) Ne Edit-Funktion wäre ja manchmal nett *gg*

    Naja, jedenfalls kann ich mich über Fischli-Christen genauso aufregen wie du ;D

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  8. Mh. In vielen Punkten muss ich dir durchaus Recht geben. Und wenn ich dich richtig verstanden habe, glaubst du zwar an Gott aber findest die Kirche als Institution (mh....) fragwürdig?
    Was den Papst angeht, muss ich dir Recht geben. Doch betrifft das nicht nur die katholische Kirche?
    Ich finde es schade, dass durch solche Fehlaussagen dein Bild gegenüber der Kirche so verblasst ist. Ich will dich hier nicht "auf den rechten Weg" bringen. Aber ich finde es interssant, dass du nicht komplett abgeneigt bist und dennoch soviel Kritik (die nicht "daneben" ist) bringst.

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  9. @Post Scriptum Ich habe ja geschrieben, dass ich nicht in die Tiefe gehen wollte, denn das hätte den Umfang des Blogeintrages gesprengt. Ob evangelisch oder katholisch, ich kann mit beidem nichts anfangen. Die Erwähnung des Papstes war einfach nur ein Beispiel. Ob evangelisch oder katholisch, ich bevorzuge da keine Richtung.

    Ich habe übrigens mal Bibliothekswesen studiert und während des Studiums auch ein paar (4 warens glaube ich) Semester Theologie und Religionswissenschaften belegt, weil ich mich auf dieses Fachgebiet spezialisieren wollte, ich habe viel gelernt, viel was mich bestätigt hat, dass ich mit "Kirche" nichts anfangen kann.

    Ja, es ist hauptsächlich die Institution, die ich ablehne und einige vom "Bodenpersonal. Historisch gesehen haben beide "Vereine" keine weiße Weste und auch aktuell gibt es auf beiden Seiten Ansichten, die ich nicht teilen kann.

    Ich glaube nicht an einen (Schöpfer)Gott. Schon gar nicht an einen, der irgendetwas von mir verlangt oder erwartet oder gar an einen der straft.

    Ich glaube, kurz gesagt, an das Göttliche, das in allem und jedem steckt. Wir sind Schöpfer, diese Kraft liegt in uns und nichts Äußeres, nichts, was von uns abgespaltet ist.

    Wenn ich mich für eine Religion entscheiden müsste, dann wäre das der Buddhismus. Aber um etwas zu glauben muss man nicht zwangsläufig einem Glauben bzw. einer Glaubensrichtung angehören.

    Letztendlich glaube ich an Liebe, an Selbstverantwortung, daran, dass alle und alles eins sind. Ich glaube, dass alles was ich tue und nicht tue Konsequenzen hat, in diesem und in anderen Leben. Und ich glaube, dass ich die Macht habe, die Welt zu verändern, meine Welt.

    Es lässt sich schwer in Worte fassen, die es für andere wirklich nachvollziehbar machen, was ich glaube. Das ist meine Erachtens auch nicht möglich und auch nicht nötig, auch wenn das oft von mir verlangt wurde. Man kann Glaube nicht wirklich argumentieren, es gibt kein Falsch oder Richtig, auch wenn einige das anders sehen. Glaube ist so individuell, wie Menschen individuell sind.

    Viele Menschen leben ihren Glauben (oder meinen das zu tun), aber ihn zu ERleben ist noch etwas anderes. Erleben kann man aber nur, wenn man nach innen geht, ins Herz, in die Seele, in den Geist oder wie auch immer man das nennen will.

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  10. Lustig -- genau das meinte ich. Immer wenn Kritik an Kirche geübt wird kommt einer einer beliebigen anderen Fraktion daher und pflichtet bei uns sagt dann "aber schau mal -- wir sind doch besser". Nein, seid ihr nicht! Und zwar völlig egal in welchem Lager wir stecken.

    Merkt eigentlich keiner wie lächerlich und unglaubwürdig es ist, sich ausschließlich durch Abgrenzung von anderen zu definieren?

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Redet mit aber benehmt euch - auch "zwischen den Zeilen!" ;) Wer das partout nicht kann, wird ggf. des Reiches verwiesen. Grundsätzlich sind hier alle Besucher willkommen - aber: Mein Reich, meine Regeln. Da kommt es auch schon mal (wenn auch sehr selten) vor, dass ich jemandem das Aufenthaltsrecht entziehe. Man kann das hier mit (m)einem virtuellen Wohnzimmer vergleichen, in dem ich das Hausrecht habe.

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