Dienstag, 5. April 2011

Gastautor: Hier schreibt Koelschgirls Schatz

Mein Fehltritt
Ich glaube, ich sollte mich zu dem Thema auch mal äußern. Die Süße hat mir vorab von dem Blogeintrag erzählt, und ich dachte bei mir: hmm, mal schauen was dabei rauskommt. Schön daß das die meisten von Euch das sofort als Aprilscherz angesehen haben; ich hatte eigentlich damit gerechnet jetzt öffentlich als perfider Schuft gebrandmarkt zu sein. Wer uns persönlich kennt würde das vermutlich eher nicht glauben, aber im Web... nun ja.

Ich bin keine Kombi aus Brad Pitt und Keanu Reeves, das weiß ich wohl. Ich bin ein recht schlaues, und meistens ganz nettes Kerlchen, aber habe einen Waschbärbauch, kein Sixpack, und auch kein wirklich fettes Bankkonto und fahre kein Mercedes-Coupé. Dafür habe ich einen Dickkopf und manchmal auch einen ziemlich kurzen Geduldsfaden, vor allem gegenüber Menschen, die sich wie Idioten aufführen. Da werde ich dann auch mal laut. Ich bekomme graue Schläfen, und habe zwar noch lange keine Tonsur, aber der Wirbel am Hinterkopf wird langsam größer. Aber im großen und ganzen finde ich mich als Mensch und als Mann ganz OK, und ich kann mich morgens im Spiegel ansehen, ohne mich schämen zu müssen -- jedenfalls nicht aus anderen Gründen als der Optik. Ich sollte mal ein paar Kilo abnehmen.

Ich habe nicht vor fremdzugehen. Ich wüsste auch nicht warum; wir haben Spaß genug. Meistens jedenfalls, sicher nicht immer. Ich muß mir nichts mehr beweisen, und jemand anderem mußte ich noch nie etwas beweisen. Ich brauche keine Eroberungen oder Geld auf dem Nachttisch damit ich anderen (oder mir) vorgaukeln kann was für ein "Toller Hecht™" ich bin. Eher im Gegenteil. Ich verstehe nicht mal, warum es Männer gibt die das wollen, oder was sie glauben, auf Dauer davon zu haben. "Bunga Bunga" ist nicht mein Ding.

Ich will nicht behaupten, daß mir niemals ein "Fehltritt" passieren könnte. Ich denke, das könnte so gut wie jedem und jeder passieren, in der richtigen (oder eher falschen) Situation, dem dazu passenden Gegenüber, der geeigneten Stimmung und dann womöglich noch alkoholisiert. Ich plane das nicht, ich suche das nicht, ich will das nicht. Aber wir sind alle nur Menschen, und es könnte vielleicht passieren. Für mich ist das eine Sache mit der ich wenn es dem Koelschgirl passieren würde auch leben könnte ... als Entgleisung jedenfalls. Nicht auf Dauer, oder häufiger -- nö, das ginge nicht. Für sie? Hm, nope. Dafür hat sie zu viele schlechte Erfahrungen gemacht bevor sie sich genug Panzerung zulegen konnte. Das wärs dann vermutlich. Oder zumindest wäre es nicht mehr das gleiche. Als es mit "uns" anfing, hatte ich ein wenig das Gefühl sie dächte "das ist zu gut um wahr zu sein". Als würde sie wegrennen, wenn ich eine plötzliche Bewegung mache. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Das hat sich Gott sei Dank gelegt, und sie vertraut mir :). Und ich hoffe das bleibt so.

Ulkig eigentlich: meine Eltern waren solange ich denken kann der Meinung, irgendwann zwischen 16 und 22 kommt "Er" oder "Sie" beim Tanztee durch die Tür und der Drops ist gelutscht -- und haben mir das von klein auf auch so auch vermittelt. Schön daß es für sie so war, und romantisch... nur, als ich im entsprechenden Alter war, gabs keine Tanztees mehr ;-). Was dazu führte daß ich damals hoffnungslos verwirrt war und ein echtes Problem mit der Einstellung vieler anderer hatte, vor allem bei Männern die vor jedem der es hören wollte (oder auch nicht) mit ihren "Leistungen" prahlen mußten. Auf der anderen Seite: eine Frau, die mit jemandem in die Kiste steigt einfach weil ihr danach ist, und ihn dann wieder abserviert? Mit 15 unvorstellbar für mich. Mit 30 nicht mehr so, notgedrungen und mit etwas mehr Erfahrung. Und ich muß gestehen, daß ich auch durchaus meinen Spaß hatte. Aber was fehlte, war ... Zufriedenheit. Glücklich sein. Geborgenheit. Heimkommen. Meine Eltern hatten einfach ein Heidenglück; bei beiden die erste ernsthafte Beziehung -- bam! 40 (weitgehend) problemlose und glückliche Ehejahre später. Ich hatte es eigentlich schon aufgegeben. Ich habe von meinen Frauen immer viel mehr erwartet als sie geben wollten -- oder umgekehrt. Bis das Koelschgirl in mein Leben trat.

Ich weiß ganz genau was ich da habe, und was ich habe ist etwas kostbares, und seltenes. Etwas, das viele nie finden, und kaum jemand mehr als einmal im Leben. Etwas, auf das ich eine gefühlte Ewigkeit gewartet und das ich gesucht habe, seit ich mich für Mädels interessiere. Es hat ein Weilchen gedauert bis ich gemerkt habe was mir da über den Weg gelaufen ist (wir kannten uns immerhin schon ein dreiviertel Jahr oder so bevor es "ernst" wurde, und selbst da war ich noch skeptisch).

Mein Koelschgirl. Meins. Partnerin, in allem. Ich habe eine Frau, keinen Stereotyp. Und sie schafft es immer wieder, daß ich verblüfft dastehe und nicht fassen kann daß sie mich offenbar ähnlich sieht. Das geht soweit daß ich rot werde wenn sie was in der Richtung sagt.

Ich habe eine Frau, die für mich da ist, die mir hilft wenn ich Hilfe brauche, und umgekehrt. Eine an die man sich auch mal anlehnen kann, die einem den Nacken krault, und die sich ihrerseits an einen kuschelt wenn ihr danach ist. Die mich anknurrt wenn ich ihren WLAN-Router auch nur anfassen will ("Grrrr. Das kann ich alleine!"). Mit der ich oft fast etwas wie eine telepathische Verbindung habe -- das ist wirklich verblüffend manchmal. Mit der ich hemmungslos herumblödeln kann, und die ganz genau weiß wie es gemeint ist, auch wenn Außenstehenden ab und an der Mund offen stehen bleibt. Die versteht was Ironie und Sarkasmus sind, und die genausogut austeilen wie einstecken kann. Mit der man anspruchsvolle Diskussionen haben kann. Die in aller Seelenruhe sich selbst beschäftigt während ich sonstwas mache, ohne Hektik à la *händeindiehüftestemm* Wir müssen jetzt was unternehmen. Nein, nicht Kino oder Essengehen, Dummbatz! Ich will jetzt was Kulturelles. Mach mal! Na los!" (als ob man Vernissagen oder ein gutes Konzert aus der Hosentasche ziehen könnte). Sprich: die äußerst selten "rumzickt". Und die trotzdem mit einer Wasser-Pumpgun bewaffnet mit mir durchs Gebüsch hecheln und "Gotcha!" spielen würde -- gelegentlich quietschend wie ein kleines Mädchen wenn ich sie treffe, ich kann das genau vor mir sehen. Die leuchtende Augen bekommt wenn sie bei Metro einen funkferngesteuerten Helikopter oder einen Roboter-Papagei sieht, und die Actionfilme mag und Gruselfilme klasse findet, die mir zu heftig sind. Ich war schon mit Frauen zusammen, bei denen einiges davon auch gestimmt hat. Aber nicht alles, nicht mal ansatzweise. Das werde ich ganz gewiß nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Und falls jetzt jemand denkt: was ein Weichei -- Du arme Wutz hast ja so gar keine Ahnung was im Leben wichtig ist.

Worauf es hinausläuft: meine Süße ist diejenige, bei der ich einfach zu Hause sein kann, bei der ich einfach "Ich" sein kann (und das war eigentlich von Anfang an so). Einfach akzeptiert werde. Und so wies aussieht, gilt das scheints auch umgekehrt. Keine Verbiegungen, keine Verstellungen, kein Heckmeck, kein Druck. Auch keine Langeweile. Nie Nebeneinander. Miteinander, aber entspannt. Wenn man das noch nie hatte, dann kann man sich gar nicht vorstellen wie unglaublich schön das ist. Gelegentlich mal ein Kompromiß, aber meistens geht es ohne mehr als einen "Hintern hoch!"-Tritt in den eigenen Allerwertesten (etwa, wenn sie shoppen will und ich nicht). Oder alternativ in ihren, auch das kommt vor. Wir haben uns ab und an mal ein wenig aneinander gerieben oder die Augen über den anderen verdreht, aber wirklich Streit gab es noch nie. Nichts was über "Laß mich bitte für den Rest des Abends in Ruhe, ok?" hinausging jedenfalls. Und wir sind jetzt immerhin am Anfang des "verflixten 7. Jahrs", nicht zu fassen.

Ich will ohne sie ausgehen, auch allein mit anderen Frauen? Kein Problem. Macht sie auch. Sie chattet andauernd, und nächtelang mit anderen Männern. Und? Sie erzählt mir meistens noch davon, und wir lachen uns gemeinsam scheckig darüber was für kaputte Gestalten da draußen unterwegs sind. Und zumindest einen ihrer regelmäßigen männlichen Chatpartner würde ich eigentlich ganz gerne mal persönlich kennenlernen; ich denke wir würden uns ziemlich gut verstehen. Ich will Computer spielen? Dann spielt sie eben "Die Sims", oder surft, oder schreibt Blogeinträge. Oder macht was anderes. Sie will ellenlang in Ruhe mit einer Freundin telefonieren: ok, ich fange meinen neuen Roman in meiner Stammkneipe an. Wir haben nicht oft Gelegenheit, wirklich Urlaub zu machen. Dazu brauche ich wirklich lange Projekte (Anmerkung vom Koelschgirl: Mein Schatz ist selbstständig und arbeitet auf Projektbasis für verschiedene Auftraggeber), in denen für mich tatsächlich Urlaub eingeplant wird, und die sind selten. Bei einem Auftrag der vier Monate dauert kann ich nicht einfach sagen: hey, ich bin dann mal drei Wochen weg, und wenn ich keinen Folgeauftrag habe, können wir nicht in Urlaub fahren. Mein Ausgleich ist, mich nach Feierabend mit einem guten Buch in eine Kneipe oder einfach in die Sonne an den Neckar zu setzen. Scheinbar kein Problem für sie. Ich will mal wieder nach Trier? "Oooohh, cool, können wir auch noch "Das Geheimnis der Porta Nigra" mitnehmen? Und wie wär's mit dem Hotel?"

Kein Streß. Nichts dergleichen. Wir machen einfach beide, was wir wollen. Und oft ist das das gleiche. Just the Two of Us. Besser gehts glaub ich nicht.

Wer sowas aufs Spiel setzt, ist einfach nur ein Trottel.

Ich liebe Dich, meine Süsse.




Kommentare:

  1. Hach ihr zwei, das ist echt wunderbar. Und genau deswegen war der Aprilscherz sofort als solcher zu identifizieren.

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  2. @Schäfchen Und ich erst. Und Schatz hatte die Befürchtung, ich könnte von diesem Text vielleicht enttäuscht sein. Für mich ist das die schönste geschriebene Liebeserklärung, die ich je bekommen habe. :)

    @Schmedderling Oh ja. :)

    @Anna ;) Du hast recht, es ist wunderbar. Immer wieder auf's Neue. Es passiert immer noch, dass ich plötzlich innehalte und mir denke, ist das wirklich alles real? Ist das mein Leben?

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Redet mit aber benehmt euch - auch "zwischen den Zeilen!" ;) Wer das partout nicht kann, wird ggf. des Reiches verwiesen. Grundsätzlich sind hier alle Besucher willkommen - aber: Mein Reich, meine Regeln. Da kommt es auch schon mal (wenn auch sehr selten) vor, dass ich jemandem das Aufenthaltsrecht entziehe. Man kann das hier mit (m)einem virtuellen Wohnzimmer vergleichen, in dem ich das Hausrecht habe.

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