Donnerstag, 31. März 2011

Alles Schlampen außer Mutti

Gestern Nachmittag waren Schatz und ich in einem Einkaufszentrum, weil ich mich nach ein oder zwei neuen Oberteilen umschauen wollte - die alten fangen teilweise doch arg an zu schlabbern. ^^ Nachdem wir uns mit einem Stück Pizza auf die Shoppingtour eingestimmt hatten, steuerten wir zielstrebig eine Filiale eines Bekleidungsgeschäftes an, das einstmals im 19. Jahrhundert von den Gebrüdern Clemens und August Brenninkmeijer gegründet wurde. Mit Schatzens Hilfe, der den Geschmack seiner ihm Angetrauten sehr gut kennt, hatte ich auch alsbald vier Blusen gefunden, die ich anprobieren wollte. 

Tja, der Wille war da, die Lust auch, letztere schwand aber fast mir nichts dir nichts dahin, als ich bei den Umkleidekabinen ankam. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie viele Kabinen potentiell zur Verfügung standen, es waren entweder vier oder fünf. Bei allen waren die Vorhänge geschlossen. Allein bei zweien war klar, dass sie besetzt waren. Bei den anderen blieb nur raten oder einen beherzten Blick hinter den Vorhang zu werfen. Schon das war nicht ganz so einfach, denn die Kabinen in der Mitte waren belegt (müssen also wohl doch fünf Kabinen sein). Vor den belegten Kabinen tummelten sich weibliche helfende Hände und nicht nur die, ein Kinderwagen und eine Sammlung Schuhe und anderer Kram machte es unmöglich an eben jenen vorbeizukommen. 

Nun gut, dann eben schnell die erreichbaren Kabinen abchecken. Entkleidete oder sich im Bekleiden befindende Personen gab es nicht, dafür sahen die Kabinen aus, als sei jemand mit einem Stapel Klamotten auf dem Arm gestolpert, hätte diese im Fallen von sich geschmissen und sich selbst dann spontan in Luft aufgelöst. Immerhin hingen auch Kleidungsstücke am Bügel an dafür vorgesehenen Haken. Mir quasi meinen Weg durch die Kleidung zu bahnen, dazu hatte ich keine Lust und ich spürte, wie es anfing in mir zu brodeln. Aber okay, es bestand ja noch die Möglichkeit, dass auf der anderen Seite des Kinderwagens eine freie Kabine ist. Also einmal rechts raus aus dem Kabinenverschlag, außen rum und von links wieder hinein. 

Jaaa, frei waren die Kabinen so rein theoretisch schon, aber ansonsten bot sich mir das gleiche Bild, wie auf der anderen Seite. Spontan verließ mich das letzte Fitzelchen Lust, die ausgesuchten Blusen anzuprobieren und meine Laune sank ins Bodenlose. Ich suchte Schatz und verkündete ihm, dass das Thema Klamottenkaufen sich für heute erledigt habe und erklärte ihm natürlich auch, warum. Auf dem Weg aus dem Geschäft machte ich meiner Laune recht deutlich Luft, in dem ich auch für andere hörbar verkündete, dass Benehmen wohl heute nicht mehr in sei und was für Schlampen unterwegs seien.

Mag sein, dass ich überreagiert habe, aber ich kann mich ein bisschen damit herausreden, dass aufgrund des aktuellen Hormonschubs, der gemeinhin mit Lust auf Schokolade einhergeht, mein Nervenkostüm sehr dünn ist. ;)

Aber mal ehrlich; es ist nicht das erste Mal, dass ich so etwas erlebe. Was geht in solchen Leuten vor? Nach mir die Sintflut? Oder ist das sowas wie Shoppingvariante des Handtuchs auf dem Liegestuhl? So eine Art Reviermarkierung und wenn ich es gewagt hätte, mich in die durch Klamotten markierte Kabine zu stellen, hätte mir womöglich eine aggressive Klamottenprobiererin ans Bein gepinkelt, die "nur mal eben" etwas anderes suchte, was sie mit den unzähligen Ober- und Unterteilen kombinieren kann?

Was auch immer, ich finde es jedenfalls extrem unhöflich und ja, ich benutze auch mal das altmodische Wörtchen respektlos. Mitzudenken und ein wenig Voraussicht und Rücksicht walten zu lassen, scheint immer mehr aus der Mode zu kommen.

Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt...

Kommentare:

  1. Nee, du wirst nicht alt. Das ist WIRKLICH schlimm geworden und ich finds absolut grauenhaft.
    Bei uns in der City in den Zara geh ich schon gar nimmer rein. Da liegen die Klamotten schon so unter den Garderobenständern und Wühlkisten verstreut, dass ich noch niemals auch nur das entfernteste Bedürfnis gehabt hätte, eine Umkleidekabine zu betreten. Ich verstehe weder, was in den Kundinnen vorgeht, noch, warum die Verkäuferinnen da nicht mal besser aufpassen. Echt schlimm, sowas. *seufz*
    Gott sei Dank ist das nicht überall so.

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  2. Jetzt weiß ich wieder, warum ich nur noch online shoppe...

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  3. @Lyanca Die Verkäuferinnen haben wahrscheinlich keine Zeit mehr für so was. Es werden doch überall Stellen gestrichen. Früher gab's bei C&A auch noch "Kabinenpersonal" und man hat Kärtchen bekommen, auf denen stand, wieviel Kleidungsstücke man mit in die Kabine nahm.

    Und ich weiß nicht, ob der grad unterwegs war oder es auch den nicht mehr gibt. Aber es gab auch mal einen Kleiderständer, an den man Klamotten hängen konnte, die man anprobiert hatte aber nicht kaufen wollte. Jedenfalls habe ich keinen gesehen.

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  4. @JULiANE Jo, mache ich im Prinzip inzwischen auch lieber. Leider hatte mein aktuelles Stöbern bei meinen bevorzugten Versandhäusern keinen Erfolg. Alles das, was mir gefiel, war in meiner Größe ausverkauft und mit Kompromissen wollte ich mich nicht zufrieden geben. Also dachte ich, versuch ich's halt nochmal "live".

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