Sonntag, 7. November 2010

Nicht ohne meinen Mann?

Gestern Abend verzog ich mich recht früh mit meinem Laptop ins Bett und habe "Wetten, dass..." über Zattoo geschaut. Nebenher hatte ich mein Profil bei Freenet auf. Wenn ich so drüber nachdenke, eigentlich habe ich mich hauptsächlich mit Freenet beschäftigt und hatte nebenbei "Wetten, dass..." laufen.  ^^ Mein Schatz hatte sich im Arbeitszimmer an seinen Rechner gesetzt, um ein bisschen zu spielen.

Irgendwann gegen 23 Uhr bekam ich folgende (unverbesserte) Nachricht:

"Hallo,
und wo ist dein Mann jetzt, warum bist du am Samstagabend hier, nimmt seine Exklusivrecht nicht so war
Grüße, es wird vielleicht besser   "


(Anmerkung: In meinem Profil findet sich u.a. folgender Satz: "Verheiratet, mein Mann hat die Exklusivrechte an mir und ich bin nicht gewillt, Ausnahmen zu machen.")

Ich schrieb zurück:
"Hallo,
unsere Ehe ist eine, bei der man nicht 24/7 aufeinanderhängt und das ist auch gut so. Mit "Exklusivrechte" war nicht gemeint, dass wir immer alles zusammen machen. Man gibt doch seine Individualität nicht auf, nur weil man verheiratet ist. Wo mein Mann jetzt ist, tut nicht wirklich was zur Sache.

"Grüße, es wird vielleicht besser"

Was soll mir das sagen? Geht's dir schlecht? Mir nicht.

Gruß zurück.

Seine Antwort:
"Ich habe eine andere Vorstellung von einer Beziehung bzw. Ehe, sorry..."

Keine Ahnung, wofür er sich entschuldigt, wenn er (s)eine Beziehzung anders leben will oder würde, sei ihm das doch unbelassen. Wenn unsere Art und Weise nichts für ihn ist, dann ist das okay. Diese "andere Vorstellung" begegnet mir aber ziemlich oft, meistens in den Abendstunden oder wenn ich am Wochenende online bin. Die Ansicht, wenn man ein Paar ist und erst recht wenn man verheiratet ist, dann muss man alles, aber auch wirklich alles gemeinsam machen, vertreten anscheinend viele. Man geht immer gemeinsam aus, die Wochenenden verbringt man auf jeden Fall gemeinsam und was den Freundeskreis angeht, gibt es auch nur noch einen gemeinsamen. Natürlich steht man gemeinsam auf und geht auch immer gemeinsam ins Bett. Für mich wäre dieses Beziehungsmodell ja so gar nichts und glücklicherweise sieht mein Mann das genauso. Wir verbringen viel Zeit miteinander und unternehmen auch einiges gemeinsam, aber jeder von uns hat daneben auch noch eigene Interessen und neben dem gemeinsamen Freundeskreis auch einen eigenen. (Der zwar über die Zeit ein wenig geschrumpft ist, aber das ist ein anderes Thema.) Auch zuhause haben wir unsere Rückzugsmöglichkeiten. Wir sind beides Menschen, die ab und an "ihre Ruhe" brauchen. Nicht, weil uns der Partner nervt, sondern weil es uns gut tut, mit uns und unseren Gedanken mal allein zu sein. Und es ist wunderschön zu wissen, dass der andere nur ein oder zwei Türen weiter für einen da ist.

Ich habe schon deutlich mehr als einmal mit Menschen zu tun gehabt, wie jenem oben und habe ihnen fast immer vergeblich versucht zu erklären, wie das bei uns ist. Es wurde nicht verstanden. Stattdessen wurde mir bzw. uns unterstellt, dass wir vermutlich nur so etwas wie eine Zweckgemeinschaft seien und uns nicht wirklich lieben würden, wir würden nur nebeneinander her und nicht zusammen leben. Ich habe von einer Frau tatsächlich mal gehört "Wozu brauch ich denn Freunde?  Ich will gar nicht allein weg, ich hab doch meinen Mann, der reicht mir!" Ehrlich? Da gruselt es mich. Was macht so ein Mensch, wenn der Partner plötzlich nicht mehr da ist? So jemand kann dann doch nur ein tiefes tiefes Loch fallen. Mich nur über meine Ehe, über meinen Partner zu definieren, das ist für mich nicht vorstellbar. Aber weil es mich gruselt und es für mich nicht vorstellbar ist, heißt das noch lange nicht, dass ich das nicht akzeptiere oder nicht respektiere. Wenn es für sie und ihren Mann so funktioniert und sie glücklich sind, wer wäre ich dann, ihr zu sagen, dass ich ihre Lebensweise falsch finde? Gibt es da so etwas wie falsch oder richtig überhaupt? Manche scheinen das so zu sehen...

Es ist immer wieder irgendwie amüsant, wenn andere ihr Beziehungsmodell für das einzig wahre halten und bei Menschen, die eine anderes Modell leben direkt davon ausgehen, dass da was nicht stimmen kann. Und es ist auch immer wieder interessant, was für Rückschlüsse so gezogen werden und in was für Schubladen man gesteckt wird, nur weil man als vergebene Frau im Internet unterwegs ist und das auch (spät) abends oder sogar am WOCHENENDE! Da kann doch etwas in der Ehe nicht stimmen. Wäre unsere Ehe eine gute, dann hätte ich Besseres zu tun, als mich online "herumzutreiben", wir würden jeden Abend und am Wochenende mindestens dreimal täglich übereinander herfallen. Wäre meine Ehe eine gute, dann würde ich mich um meinen Mann kümmern, an seiner Seite sein und er an meiner und ich nicht mit fremden Männern schreiben. 

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, mal über den Tellerrand zu blicken? Warum fällt es vielen so schwer, zu verstehen und zu akzeptieren, dass es andere Lebens- und Beziehungsmodelle oder -vorstellungen gibt, als die ihren? Warum ist alles, was ich nicht in das Raster ihrer Welt passt, gleich schlecht, falsch, nicht richtig und im schlimmsten Falle sogar bemitleidenswert? Ja, ich bin tatsächlich schon bemitleidet worden und das nicht nur einmal, weil ich nach deren Ansicht einfach nicht weiß, was echte Liebe ist, ich diese eben noch nicht gefunden habe und vermutlich mit meiner Einstellung auch nicht finden werde.

Oft erlebe ich, das die, die dieses "wir gehören 24/7 zusammen"-Modell leben sehr eifersüchtige Menschen sind. Sind getrennte Freundeskreise schon schwer vorstellbar, wären gegengeschlechtliche Freundschaften mehr als nur unvorstellbar,  sie wären ein absolutes Tabu. Ich bin sehr sehr froh, dass das bei Schatz und mir anders ist. Schatzens Zahl an weiblichen Freunden ist recht hoch, jedenfalls im Vergleich zum "Durchschnittsmann" und es sind sogar noch Exen dabei. Und auch ich habe männliche Freunde. Das funktioniert und Eifersucht ist kein Thema. Ganz einfach, weil wir wissen, dass wir dem anderen vertrauen können. Wie oft habe ich gehört, dass Eifersucht zur Liebe dazu gehört und dass wer nicht eifersüchtig ist, auch nicht wirklich lieben würde. Sehe ich anders und sieht Schatz anders. Wer liebt und sich sicher ist, dass er geliebt wird hat gar keinen Grund zur Eifersucht. Ich könnte noch einiges mehr zum Thema Eifersucht schreiben, aber das würde den Rahmen dieses Blogeintrages, der eh schon viel länger als geplant ist, sprengen.

Und ich komme nun auch zum Ende. Es soll jeder nach seiner Façon glücklich werden, aber doch bitte berücksichtigen, dass sein Weg zum Glück nicht auch der einzig wahre für alle anderen sein muss.
 



Kommentare:

  1. Ja! Jajaja! Unterschreib! Alles!
    Mein Liebster und ich leben genau das gleiche "Modell" wie ihr (nur, dass wir nicht zusammenwohnen, und das zur Zeit auch nicht möchten). Niemand versteht es, nichtmal meine besten Freunde. Das stört mich aber herzlich wenig und meine Freunde wissen auch, dass es mir so, wie es ist, sehr gut gefällt und gut tut.
    Schön, zu lesen, dass es auch andere Paare gibt, die sich in ihrer eigenen "Freiheit" und Individualität wohlfühlen und sich nicht von den Zwängen anderer beeinflussen lassen.

    LG

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  2. @Lyanca

    Willkommen im Club ^^

    Die ersten 2 Jahre (+ ca. 2 Monate) hatten Schatz und ich ja eine Fernbeziehung (er Mannheim, ich Köln) und wir haben uns ca. alle 2 bis 3 Wochen gesehen. Das schürt die Sehnsucht nach einem Alltag mit zusammenwohnen. Wenn wir in derselben Stadt gewohnt hätten, hätten wir vielleicht unsere eigenen Wohnungen noch ein wenig länger behalten. Vielleicht aber auch nicht. :D Immerhin musste ich fast 34 werden, bis ich mich in das Abenteuer Zusammenleben gestürzt habe. Schatz hat schon Versuche hinter sich. ^^

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Redet mit aber benehmt euch - auch "zwischen den Zeilen!" ;) Wer das partout nicht kann, wird ggf. des Reiches verwiesen. Grundsätzlich sind hier alle Besucher willkommen - aber: Mein Reich, meine Regeln. Da kommt es auch schon mal (wenn auch sehr selten) vor, dass ich jemandem das Aufenthaltsrecht entziehe. Man kann das hier mit (m)einem virtuellen Wohnzimmer vergleichen, in dem ich das Hausrecht habe.

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