Donnerstag, 2. September 2010

Gibt es autistische Katzen?



Die Frage ist durchaus ernst gemeint, ich will mich mit Sicherheit nicht über Autismus lustig machen. Wie ich auf so eine Frage komme? Tja, unsere Lily ist eine recht merkwürdige Katze. Das hat die Begebenheit von heute früh, zu der ich später noch komme, mal wieder gezeigt.

Als uns die Züchterin Lily damals sozuagen als kostenlose Dreingabe zu Aina anbot, hab ich mir nichts dabei gedacht und glaubte ihr, dass es ihr nur darum ging, für Lily ein schönes Zuhause zu finden. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Abgesehen davon, dass wir Anfang des Jahres mit Lily beim Tierkardiologen waren, der feststellte, dass sie einen Ventrikel-Septum-Defekt hat (das ist ein Loch in der Wand zwischen den beiden Ventrikeln, den unteren Herzkammern) hat sie einige sehr auffällige Verhaltenseigenarten. So mag sie es z.B. gar nicht, hochgenommen zu werden oder prinzipiell festgehalten zu werden. Das ist heute nicht mehr so schlimm, wie früher. Früher ist sie in eine regelrechte Panikstarre verfallen, man hatte dann eine unglaublich steife und verkrampfte Katze auf dem Arm. Die Panik ist heute weg und man kann sie auch ein paar Meter tragen, aber man merkt, dass sie eigentlich nur runter will. Will man sie festhalten, weil man sich z.B. ihre Ohren anschauen will oder ihr eine Pipette mit Entwurmungszeug ins Fell geben will, wird geschrien und gestrampelt.

Streicheln und Schmusen ist bei ihr auch etwas anders, als bei anderen Katzen. Während die anderen drei gerne mal neben uns und auf uns kuscheln kommen und sich hingebungsvoll kraulen lassen, auch den Bauch, sich ebenso quasi im Vorbeigehen mal streicheln lassen, ist es bei Lily so, dass sie und nur sie allein entscheidet, wann man sie anfassen darf. Wenn sie Streicheleinheiten will, dann kommt sie auf's Sofa gehüpft und schreit einen an. Ja, sie schreit. Miauen oder Maunzen kann man das nicht nennen. Beim Streicheln ist sie dann immer in Bewegung, sich hinlegen und genießen gibt's bei Lily nicht. Der Bauch ist absolute Tabuzone, kommt man mit der Hand nur in die Nähe, ist sie begleitet von einem vorwurfsvollen Schrei auf und davon.

Bürsten lassen ging anfangs gar nicht, dann ging es eine Weile, in der sie das auch genossen hat und dann ging's plötzlich nicht mehr.

Fressen geht nur aus ihren Näpfen und auch nur dann, wenn sie an der richtigen Stelle stehen, zu sehr nach links oder rechts und die Welt geht unter, was man auch lautstark kundtun muss. Während die anderen drei sich ihre Näpfe teilen, mal da und mal dort fressen und sich während einer Fütterung auch abwechseln bzw. wegschubsen, müssen für Lily ihre beiden Näpfe ganz links außen frei sein. Sind sie das nicht, verlässt sie die Küche. Natürlich nicht, ohne akustisch ihr Missfallen zu äußern. Während sie dann frisst, darf sich bloß nichts in iher Nähe tun. Wassernäpfe füllen z.B. oder auch nur den Kühlschrank öffnen führt zum sofortigen Abbruch des Fressvorgangs und fluchtartigen Verlassen der Küche.

Auch sonst ist sie ein extremes Gewohnheitstier und hat so ihre Rituale, alles was irgendwie nicht da reinpasst, führt zu Verunsicherung.

Lily hat seit einer Weile ein Nachtritual. Unser Bad wird mit einer Tür geschlossen, die keine Klinke hat, sondern mit Magneten zugehalten wird. Diese sind nicht so arg kräftig und Lily hat herausgefunden, dass sie die Tür mit etwas Mühe aufhebeln kann. Irgendwann in den Stunden zwischen Mitternacht und 3 Uhr hört man dann das typische Geräusch, das anzeigt, dass sie grad wieder dabei ist, die Tür zu öffnen. Sie will ins Bad, weil sie gerne auf der Schmutzwäsche schläft. Das muss sie auch diese Nacht getan haben. Allerdings muss irgendwann heute früh zwischen 4 und 8 Uhr jemand die Tür wieder zugemacht haben, während Lily im Bad war. Gegen 4 war mein Schatz mal kurz wach und auf dem Klo, das getrennt vom Bad ist und hat Lily noch im Flur gesehen. Vermutlich war es wohl eine der Katzen beim Toben. Was Genaues weiß man nicht. Naja, jedenfalls machte ich heute morgen um kurz nach 8 die Tür zum Badezimmer auf und eine Lily schoß mit einem Schrei an mir vorbei. Soweit so gut, was leider nicht so gut war und auf jeden Fall etwas ist, was man am frühen Morgen nicht sehen will, war ihre Hinterlassenschaft in der Badewanne - ein Haufen Katzenköttel und eine Pipipfütze. Der Geruch so früh am Morgen auf leeren Magen war auch alles andere als fein. Zum Glück bin ich da deutlich unempfindlicher, als mein Schatz das ist und so bin ich in die Küche, hab mir Küchenpapier und eine kleine Mülltüte geschnappt und hab die Misere weggemacht, so ganz ohne Würgereiz ging es aber auch bei mir nicht.

Es ist vielleicht nicht nett von mir, aber ich habe heute morgen nur gedacht, meine Güte, was für eine doofe Katze. Schafft es, die Tür aufzuhebel, aber ist zu blöd, die Tür von innen aufzumachen. Dabei hätte sie der Tür nur einen Schubs geben müssen und sie wäre aufgegangen. Viel einfacher als das Aufhebeln.

Nicht, dass hier ein falsches Bild entsteht. Wir lieben Lily, trotz ihrer oder vielleicht grad wegen ihrer Macken, auch wenn's manchmal ein bisschen anstrengend ist. Sie ist ja auch eine liebenswerte Katze, wenn sie ihre Streicheleinheiten einfordert, geht uns jedes Mal das Herz auf. Das ist unsere Katze und sie wird es auch bis ans Ende ihres hoffentlich langen Lebens bleiben. :)



Kommentare:

  1. Also, mit Autismus hat das sicher nichts zu tun - wobei ich denke, jede Katze lebt irgendwie in ihrer eigenen Welt. Eigensinnig sind sie alle, eure Hübsche ist da halt ein bisschen Extremer als andere. Und dass sie ihre Hinterlassenschaften in der Badewanne gelassen hat - sei glücklich. Mein kleiner verkündet seinen Unmut immer auf der Fußmatte vorm Katzenklo. Immer dann, wenn ich mal abends unterwegs bin. Oder er sich mit seinem Bruder geprügelt hat. Er wird übrigens auch nicht gern auf den Arm genommen, lässt es sich aber widerwillig gefallen.
    Und der andere wäre tatächlich nen Fall für den Tierpsychologen, mit seiner Aggression gegenüber meinen Gästen.
    Man gewöhnt sich eben an alles :-) Bei eurer scheints ja auch immer ein bisschen besser zu werden. :-)

    LG

    AntwortenLöschen
  2. Dass sie die Badewanne als Ersatzklo auserkoren hat, darüber bin ich wirklich froh. Früher hatten wir ne Badematte vor der Wanne, da wurde öfter mal draufgepinkelt. Bäh. Mir tat Lily ja auch irgendwie leid, sie musste halt und wusste nicht, wie sie aus dem Badezimmer kommen sollte.

    Verglichen mit Lily vor drei Jahren, als wir sie bekamen und Lily heute, hat sie Fortschritte gemacht. Sich aber auch neue Macken angewöhnt. ;)

    Aber ich hatte schon immer irgendwie nen Hang zu Problemkatzen. Hatte mit meinen Ex zwei Wildfänge aus dem Tierheim. Ein Geschwisterpärchen. Er extrem locker und nie Probleme gemacht, sie ein fauchendes, spuckendes. angsterfülltes Etwas. Es hat etwa ein dreiviertel Jahr gebraucht, bis sie mir vertraut hat. Irgendwann machte es wirklich von einer Minute auf die andere Klick bei ihr. Später war sie ne schlimmere Klette als ihr Bruder.

    Mit Katzen muss man eben viel Geduld haben. Wer weiß, vielleicht wird's bei deinem ja auch noch irgendwann besser, was die Aggressionen angeht.

    AntwortenLöschen

Redet mit aber benehmt euch - auch "zwischen den Zeilen!" ;) Wer das partout nicht kann, wird ggf. des Reiches verwiesen. Grundsätzlich sind hier alle Besucher willkommen - aber: Mein Reich, meine Regeln. Da kommt es auch schon mal (wenn auch sehr selten) vor, dass ich jemandem das Aufenthaltsrecht entziehe. Man kann das hier mit (m)einem virtuellen Wohnzimmer vergleichen, in dem ich das Hausrecht habe.

Dieser Blog ist keine kostenlose Werbefläche. Wer was verkaufen will, sucht sich bitte eine andere Plattform.

Kommentare unter älteren Blogeinträgen erscheinen erst nach Freischaltung von mir.