Sonntag, 13. September 2009

Mein Wannenbad von Joachim Ringelnatz

Jetzt, wo es wieder kühler wird kommt in mir dann auch wieder der Wunsch nach einem schönen, heißen und entspannenden Vollbad hoch. Leider hat unser Vormieter eine sehr kleine Wanne eingebaut in der weder mein Schatz noch ich wirklich entspannend abtauchen können - an gemeinsames Badevergnügen ist schon mal gar nicht zu denken. Ab und an nehme ich die Nachteile der zu kleinen Badewanne aber in Kauf und genieße dann so gut ich eben kann. Das bedeutet zwar, dass ich entweder kalte Knie habe, wenn ich bis Oberkannte Unterlippe unter Wasser sein will oder grad mal bis kurz überm Bauchnabel im Wasser sitze. Nuja, andere Leute haben nur neine Dusche, also will ich mal nicht zu sehr jammern. ;)

So, genug von mir und meinem Badezimmer, hier geht's eigentlich um ein Gedicht, das mir vor einer Weile unter die Augen geraten ist.

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Mein Wannenbad von Joachim Ringelnatz


Es muß wieder mal sein.

Also: Ich steige hinein

In zirka zwei Kubikmeter See.

Bis übern Bauch tut es weh.

Das Hähnchen plätschert in schamlosem Ton,

Ich atme und schnupfe den Fichtenozon,

Beobachte, wie die Strömung läuft,

Wie dann clam, langsam mein Schwamm sich besäuft.

Und ich ersäufe, um allen Dürsten

Gerecht zu werden, verschiedene Bürsten.

Ich seife, schrubbe, ich spüle froh.

Ich suche auf Ausguck

Vergebens nach einem ertrinkenden Floh,

Doch fort ist der Hausjuck.

Ich lehne mich weit und tief zurück,

Genieße schaukelndes Möwenglück.

Da taucht aus der blinkenden Fläche, wie

Eine Robinsoninsel, plötzlich ein Knie;

Dann – massig – mein Bauch – eines Walfisches Speck.

Und nun auf Wellen (nach meinem Belieben

Herangezogen, davongetrieben),

Als Wogenschaum spielt mein eigenster Dreck

Und da auf dem Gipfel neptunischer Lust,

Klebt sich der Waschlappen mir an die Brust.

Brust, Wanne und Wände möchten zerspringen,

Denn ich beginne nun, dröhnend zu singen

Die allerschwersten Opernkaliber.

Das Thermometer steigt über Fieber,

Das Feuer braust, und der Ofen glüht,

Aber ich bin schon so abgebrüht,

Daß mich gelegentlich Explosionen –

– Wenn's an mir vorbeigeht – –

Erfreun, weil manchmal dabei was entzweigeht,

Was Leute betrifft, die unter mir wohnen.

Ich lasse an verschiedenen Stellen

Nach meinem Wunsch flinke Bläschen entquellen,

Erhebe mich mannhaft ins Duschengebraus.

Ich bück mich. Der Stöpsel rülpst sich hinaus,

Und während die Fluten sich gurgelnd verschlürfen,

Spannt mich das Bewußtsein wie himmlischer Zauber,

Mich überall heute zeigen zu dürfen,

Denn ich bin sauber. –


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