...bist du gegangen. Zeitpunkt des Todes: 00:53 Uhr steht auf deiner Sterbeurkunde. Um diese Zeit herum, etwas vorher, ich lag wach im Bett, das Telefon neben mir, falls das Krankenhaus anruft, hatte ich auf einmal das Gefühl, dass du dich zu mir ins Bett legst, dich an mich kuschelst. Ein letztes Mal warst du mir ganz nah. Als dann der Anruf kam, dass du im Sterben liegst und es nun jederzeit "soweit sein kann", hat mich das auf das auf der einen Seite nicht wirklich unvorbereitet getroffen, aber auf der anderen war es einfach nur unwirklich. Die Fahrt mit dem Taxi ins Krankenhaus war unwirklich, die Station, fast ganz dunkel und still, war unwirklich.
Als ich ankam, sagte man mir, dass du vor wenigen Minuten verstorben bist. Die Maschinen, an denen du gehangen hast, waren schon abgeschaltet, die Schläuche und Kabel der Herzlungenmaschine waren aber noch nicht entfernt. Es störte mich nicht. Ich legte meine Hand auf deine Brust und küsste dich zum letzten Mal. Und dein Herz tat noch einen einzigen Schlag. Dein letzter Herzschlag für mich?
....
Ich könnte nicht sagen, dass der Schmerz weniger geworden ist - nur anders. Alltäglicher. Und wie es mit Alltäglichkeiten ist, man nimmt sie die meiste Zeit nicht wirklich wahr. Aber dann gibt es immer wieder Momente, da werden sie einem bewusst. Und dann bleibt die Welt kurz stehen. Und wenn aus den Momenten Phasen werden und die Welt sich trotzdem weiter dreht, dann ist es schwer, mit beiden Füßen Halt zu finden und nicht umzufallen.
Manchmal kommt mir die Vergangenheit mit dir darin so unwirklich vor, als wäre das alles nur ein wunderbarer Traum gewesen, aus dem ich noch nicht ganz wach geworden bin. Aber genauso oft ist sie realer als das Jetzt und ich möchte nur eines - aus dem Albtraum aufwachen und in deine Arme.
Du fehlst mir.

